Treffen der Generationen beim Hilton-Talk

München, 21. Mai 2015 – Wie ist es um den deutschen Mittelstand bestellt? Und wo geht die Reise hin? Mit unseren Gästen haben wir beim 22. Hilton Talk dem Herzstück der deutschen Wirtschaft auf den Zahn gefühlt. Auf der Bühne im Hilton Munich Park kam es dabei zum Treffen der Generationen.

Mit Otto Greither berichtete einer der dienstältesten aktiven Firmenchefs Deutschlands nicht nur von der Geschichte seines mittelständischen Unternehmens, dem Naturarzneimittel-Hersteller Salus aus Bruckmühl, sondern auch, wie er sich mit 90 Jahren noch fit hält. Sport, Kräutertees und ein kurzer Mittagsschlaf sind sein Rezept. Greither blickt auf 70 Jahre Erfahrung im Mittelstand zurück: Den Aufbau der zerbombten Fabrik seines Vaters, die Krise nach der Währungsreform und ihre Bewältigung. „Man muss immer neu und innovativ bleiben“, sagte Greither, der „vom Produzenten zum Verkäufer“ umlernen musste. Mit neuen Produkten und Werbung hat er Salus in den Jahrzehnten zum vorbildlichen Marktführer der Reformwaren-Branche aufgebaut. Trotz mittlerweile über 400 Mitarbeitern ist Salus ein Familienunternehmen geblieben – mit zufriedenen Angestellten. „Ich bin stolz darauf, dass wir nie einen Betriebsrat oder eine Gewerkschaft hatten“, sagte Greither. Er behandelt seine Mitarbeiter so, wie er selbst auch behandelt werden möchte.
Eine klare Absage machte er der Agro-Gentechnik: „Wir wollen keine Chemie in unseren Produkten haben.“ Man könne die Gentechnik nach dem bisherigen Stand der Forschung nicht bejahen. Auch Monopolen steht er kritisch gegenüber. „Ich habe Angst, dass zu große Konzerne zu viel Macht bekommen, ohne die Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.“ Seiner eigenen Firma wünscht er nicht riesige Größe sondern Sicherheit. „Man muss als Unternehmen nicht immer in den Himmel wachsen.“
Dr. Thomas Geppert ist Geschäftsführer des BFW Bayern (Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen) und vertritt viele mittelständische Unternehmen. „Insgesamt geht es uns gut“, sagte er. Die teuren Immobilienpreise in München würden keine Blase erzeugen und auch nicht auf extreme Preisniveaus wie in Paris und London steigen. Trotzdem hätten Unternehmen Probleme Fachkräfte zu bekommen, wenn diese sich keinen Wohnraum leisten können. Geppert kritisierte die politischen Voraussetzungen: „Es fehlt an Planbarkeit.“ Vorschriften und Gesetze würden den Betrieben den Handlungsfreiraum eingrenzen. „Die Bürokratie ist das Hauptübel des Mittelstandes“, sagte Geppert.
Marcus Tandler und seine drei Co-Gründer bereichern den Mittelstand seit drei Jahren mit dem Start-up OnPage.org. Mit ihrem Unternehmen, ein digitaler Werkzeugkasten für das Qualitätsmanagement von Webseiten, gehören sie mittlerweile zur Speerspitze der digitalen Wirtschaft in Deutschland. Im internationalen Digitalmarkt setzt das Gründerteam auf „Made in Germany“. Der deutsche Mittelstand dürfe den digitalen Wandel jedoch nicht verpassen. „Ohne Digitalisierung ist die Reise bald vorbei“, sagte Tandler. In vielen Fällen würden beispielsweise Social Media-Kanäle eines Unternehmens nur halbherzig betrieben werden. „Das macht dann im besten Fall der Praktikant.“ Seinen Erfolg kann Tandler manchmal noch gar nicht richtig glauben: „Suchmaschinenoptimierung war früher nur ein Hobby für mich. Wer hätte gedacht, dass daraus mal so ein Business wird.“