Hilton Talk feiert Premiere in Berlin

Berlin, 1. Juli 2011 – „Eine Führungskraft muss über Authentizität verfügen, vorbildlich handeln, durchsetzungsstark sein und seine Mitarbeiter dennoch als Partner und nicht als Befehlsempfänger begreifen.“ Bernhard von Rothkirch, Vorsitzender des Berufsverbandes DIE FÜHRUNGSKRÄFTE (DFK), erläuterte bei der Berlin-Premiere des Hilton Talk, welche Kriterien Menschen in leitender Funktion mitbringen sollten, um ihr Unternehmen mit Unterstützung der eigenen Belegschaft voranzubringen. „Führung im 21. Jahrhundert“ lautete der Titel der hochkarätig besetzten Gesprächsrunde, deren Berliner Premiere am 30. Juni 2011 im Hilton Hotel am Gendarmenmarkt über die Bühne ging.

Zur Diskussion hatte der Verband DIE FÜHRUNGSKRÄFTE zwei weitere namhafte Gäste geladen: Den Vorstandsvorsitzenden der Charité, Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, sowie den Leiter der Berliner Feuerwehr, Wilfried Gräfling. Moderator Michael Märzheuser von der MärzheuserGutzy Kommunikationsberatung entlockte seinen drei Interviewpartnern nicht nur Informationen über zukunftsfähige Führungskonzepte, seine Gesprächspartner gaben auch Auskunft über die unbequemen Aufgaben eines Chefs und die Bedeutung von Charisma. Gastgeber Ronald van Weezel, General Manager des Hilton Hotels, stellte auch in Aussicht, dass weitere Hilton Talks in Berlin folgen würden.

Bernhard von Rothkirch wies zunächst darauf hin: „Führung ist im 21. Jahrhundert komplexer geworden. Denn Veränderungsprozesse verlaufen heute wesentlich rasanter als noch vor wenigen Jahren. Eine Führungskraft, die unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen erfolgreich sein will, muss daher erkennen: Es geht nicht ohne Mitarbeiter.“ Diese würden dem Chef aber nur folgen, wenn er über ein gewisses Maß an Charisma verfüge.

„Charisma kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet Gnadengabe. Eine Führungskraft muss dahingehend über Charisma verfügen, als dass sie ihren Mitarbeitern eine Perspektive, eine Vision bieten kann“, so von Rothkirch. „Wenn ich meine Mitarbeiter außerdem zu selbständigem Handeln anleite und ihre Kreativität freisetze, dann werden sie mir gegenüber loyal sein.“ Zugleich machte der Verbands-Chef aber auch deutlich: „Loyalität beruht auf Gegenseitigkeit. Wenn ich Loyalität erwarte, muss ich meinem Mitarbeiter auch dann den Rücken stärken, wenn etwas schief geht.“

Der deutschen Führungskultur bescheinigte von Rothkirch indes nicht nur Vorzüge: „Hierzulande gelangt ein Mensch vor allem dann nach oben, wenn er über genügend Dienstjahre, einen Titel und gute Zeugnisse verfügt. Das Hineinwachsen in eine Aufgabe kommt dabei manchmal zu kurz.“

Auch der Charité-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Chef von rund 13.000 Mitarbeitern, betonte im Anschluss die Bedeutung der Authentizität: „Ich muss das tun was ich sage und auch mir selbst zumuten, was ich von den Mitarbeitern verlange.“ Aus diesem Grund sei es für Einhäupl unverständlich gewesen, dass einige Führungskräfte der finanziell angeschlagenen Universitätsklinik zuletzt zu keinen Einschnitten beim eigenen Gehalt bereit gewesen waren, obwohl den zahlreichen Pflegekräften eine marktgerechte Entlohnung verwehrt blieb. „Das war nicht sehr weitsichtig“, kritisierte der gelernte Mediziner.

Zu seinen unbequemsten Tätigkeiten als Charité-Chef zähle es gegenwärtig, Personal abzubauen, erläuterte Einhäupl weiter. „Doch nur auf diese Art und Weise können wir 2011 eine schwarze Null erreichen.“ Die Entscheidung gegen loyale Mitarbeiter zum Wohl der gesamten Institution sei eine der schwierigsten Aufgaben einer Führungskraft. „Doch man kann kein Unternehmen führen, indem man den Wunsch jedes Einzelnen erfüllt.“ Als eine der wichtigsten Führungsaufgaben der Politik bezeichnete Einhäupl schließlich die Reform des Gesundheitssystems.

„Hier gibt es keine Patentlösung. Und ich beneide niemanden weniger als die Person, die gerade Gesundheitsminister ist – egal welcher Couleur.“ Zugleich mahnte der Träger des Bundesverdienstkreuzes aber auch, den Gesundheitssektor nicht nur als Kostenfaktor zu sehen: „Gesundheit ist auch ein Wirtschaftsfaktor. 11,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften wir in der Branche. Und hier ist noch mehr Wachstum drin!“

Im Anschluss erklärte Wilfried Gräfling, Chef der Berliner Feuerwehr, was Führungskräfte vom Ethos der Feuerwehr lernen können. Der Landesbranddirektor verwies in diesem Kontext auf die immense Opferbereitschaft seiner Kollegen in Japan. Nach der Reaktorkatstrophe von Fukushima hätten Spezialeinheiten der Tokioter Feuerwehr bis zur Erschöpfung gearbeitet, um sich für die Gesellschaft zu opfern. „Das war ein Selbstmordkommando. Doch ich bin mir sicher: In Deutschland hätten sich ebenfalls genügend Freiwillige gefunden.“

Die enorme Belastung sei für Feuerwehrleute aber nur dann ertragbar, wenn sie Erfolge erzielten und für ihren guten Job anerkannt würden. „Das gibt Kraft“, betonte Gräfling. Führungskräfte sollten ihren Mitarbeitern also vor allem Wertschätzung entgegenbringen und ihre Probleme ernst nehmen. „Führungskräfte müssen auch geben und dürfen nicht nur nehmen.“

 

Zur Premiere des Hilton Talk in Berlin diskutierte Moderator Michael Märzheuser mit seinen Gästen Wilfried Gräfling, Prof. Dr. Karl Max Einhäupl und Bernhard von Rothkirch (von links nach rechts) über „Führung im 21. Jahrhundert“.