Werbung braucht Ja-Sager: BDSG-Novelle verlangt Einverständniserklärung der Kunden

Eine gut gepflegte Kundendatei ist das A und O für eine erfolgreiche direkte Kundenansprache. Je besser ein Unternehmen über seine Kunden Bescheid weiß, desto zielgenauer kann es seine Produkte bewerben. Doch ab dem 1. September ist es nicht mehr so einfach, die über die Kunden erhobenen Daten wie Name, Adresse oder das bisherige Kaufverhalten (Customer Relations Management) zu speichern bzw. diese für Werbezwecke zu verwenden.

BDSG-Novelle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Denn mit diesem Tag endet die Schonfrist, die der Gesetzgeber den Unternehmen mit der Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) von 2009 gewährt hat. Bis Ende August brauchen die Firmen eine Einverständniserklärung der Kunden, dass sie diese per Post, Telefon, Fax oder E-Mail ansprechen dürfen. Die neuen Regeln gelten ausnahmslos für alle werbetreibenden Unternehmen, unabhängig von der Branche oder der Größe. Und alle sollten das Thema ernst nehmen: Denn bei einer Missachtung drohen empfindliche Strafen.

Opt-in und Opt-out

Durch die Novelle zum BDSG kommt dem so genannten Opt-in-Prinzip eine besondere Bedeutung zu. Denn werden personenbezogene Daten für den Adresshandel bzw. zur Werbung verwendet, müssen die Betroffenen grundsätzlich ihr Einverständnis dazu erklären. Bei einer elektronischen Einverständniserklärung muss diese protokolliert werden. Dabei müssen Opt-Ins für jeden Werbekanal einzeln nachgefragt und eingeholt werden.

Damit sind verknüpfende Formulierungen wie zum Beispiel „dürfen wir Sie via E-Mail kontaktieren oder Sie telefonisch ansprechen bzw. Ihnen […] zuschicken“ verboten. Parallel dazu muss gewährleistet sein, dass die Kunden ihre Einverständniserklärung jederzeit abrufen und widerrufen können (Opt-out).

Saubere Datenbanken

Für werbetreibende Unternehmen bedeutet das, dass sie für jeden Eintrag das Einverständnis des jeweiligen Kunden benötigen, dass dieser mit der Speicherung und werblichen Nutzung seiner Daten einverstanden ist. Dabei muss jeder Datensatz der Verbraucher so angelegt sein, dass das schriftliche OK klar zu erkennen ist. Im Grunde genommen müssen bei den werbetreibenden Unternehmen für drei Bereiche Einverständniserklärungen vorliegen. Zunächst eine für die Datenspeicherung, dann eine Zustimmung zur Nutzung der Daten zu Werbezwecken sowie das Einverständnis des Kunden für die konkrete Ansprache bei der Telefon- Fax- oder E-Mail-Werbung.

BDSG-Novelle

Die novellierten Regeln gelten sowohl für neu gewonnene Datensätze als auch für Altdaten, die vor dem 1. September 2009 gewonnen wurden. Verstöße gegen die Vorschriften können teuer werden. In besonders schweren Fällen drohen Bußgelder bis zu 300.000 Euro.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die novellierten Regeln gelten sowohl für neu gewonnene Datensätze als auch für Altdaten, die vor dem 1. September 2009 gewonnen wurden. Denn mit dem Ende der dreijährigen Übergangsfrist dürfen auch diese Daten nicht mehr für Werbezwecke gespeichert bzw. genutzt werden, sofern eine Einwilligung des Verbrauchers nicht dokumentiert ist. Gelassener können die professionellen E-Mail-Marketer dem 1. September entgegensehen. Denn im Gegensatz zu ihren Kollegen aus der Brief- Fax- oder Telefonwerbung unterliegt der E-Mail-Versand schon jetzt strengen rechtlichen Vorgaben. Schließlich musste bei der E-Mail-Werbung schon immer eine Einverständniserklärung vorliegen.

Das „Listenprivileg“: die Ausnahme von der Regel

Auch ohne eine ausdrückliche Einwilligung der Kunden ist eine Speicherung und Nutzung personenbezogener Daten für werbliche Zwecke nach dem 1. September noch möglich. Dies gilt, wenn die Daten unter das sogenannte „Listenprivileg“ fallen. Dabei werben die Unternehmen für eigene Angebote und haben die Daten entweder beim Betroffenen selbst erhoben (z.B. aus bestehenden Geschäftsbeziehungen) oder aus öffentlichen Verzeichnissen gesammelt. Zu beachten ist dabei, dass sich das Listenprivileg lediglich auf ganz bestimmte Daten bezieht. Dazu gehören u.a. Name, Anschrift und Geburtsdatum.

Verstöße können teuer werden

Die BDSG-Novelle zu missachten, kann teuer werden. Denn Verstöße können mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro bestraft werden. Und bis zu 300.000 Euro sind in besonders schweren Fällen drin, wenn zum Beispiel trotz eines Widerspruchs des Betroffenen dessen Daten für Werbezwecke genutzt werden. Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Schließlich sollen die Strafen den wirtschaftlichen Vorteil übertreffen, weshalb die Bußgelder unter Umständen noch höher ausfallen können.

Autor: Philipp Bücker