„Oligarchen und Investoren haben oftmals das Ziel, sich ein Spielzeug zu kaufen.“ ‒ Gespräch mit Ernst Tanner, ehemaliger Fußballmanager und Nachwuchsleiter bei Red Bull Salzburg

Ernst Tanner gilt im Fußball als einer der besten Nachwuchs-Förderer im deutschsprachigen Raum. Bei Red Bull Salzburg kümmert er sich um junge Kicker und warnt, sie zu früh auf die monetäre Schiene zu bringen. Beim Hilton Talk erklärt Tanner, warum dies bei RB Salzburg nicht der Fall ist, und wie man die finanziellen Mittel in der Ausbildung des Nachwuchses nutzen kann: zum Beispiel mit Trainingsgeräten aus der Weltraumforschung. Fairplay ist dem ehemaligen Manager der TSG Hoffenheim dabei wichtig: auf dem Platz aber auch zwischen den großen Vereinen – vor allem, was das Finanzielle betrifft.

MEDIEN-MONITOR: Ist Red Bull für die Stars von morgen eine echte Alternative zum FC Bayern oder 1860 München?

TANNER: Ich denke, dass wir nicht nur eine Alternative sind. Wir wollen eines der führenden Nachwuchszentren in Europa werden, und das nicht nur im Fußball sondern auch im Eishockey. Dafür wird im Moment eine Akademie fertiggestellt. Wir befinden uns in der Endphase und werden mit der Verwaltung ab Mitte Juni umziehen. Die Spieler kommen dann ab Anfang Juli und nach der Sommerpause Ende Juli geht’s komplett los mit Fußball und Eishockey zusammen.

MEDIEN-MONITOR: Sie gelten als einer der besten Nachwuchsförderer im deutschsprachigen Raum. Was ist Ihr persönliches Erfolgsgeheimnis?

TANNER: Als wir bei den Löwen 1994 angefangen haben, kam ich auch frisch von der Uni und wir haben unglaublich viele Ideen gehabt, was man ganz allgemein im Sport besser machen kann. Wir haben versucht, uns an Neuem zu orientieren, was durchaus auch von den Unis kommt. Wir versuchten, uns davon beleben zu lassen. Was man allerdings auch immer dazu braucht, sind Werte.

MEDIEN-MONITOR: Was sind das für Werte?

TANNER: Im Endeffekt ist das ein lang andauernder Prozess. Es bedarf z. B. einer hohen intrinsischen Motivation der Jugendlichen (aus eigenem Antrieb, Anmerkung der Redaktion) um ihn durchzustehen und gewisser Regeln, die jeder beachten muss. Hochleistungssport bedeutet harte Arbeit und Entbehrung und da gehört auch ein hohes Maß an (Selbst-)Disziplin dazu.

MEDIEN-MONITOR: Seit vielen Jahren begleiten Sie nun junge Menschen auf ihrem Weg zum Profitum. Haben sich Charakter und Einstellung der Nachwuchskicker verändert, bzw. sind auch die jungen Spieler ein Spiegelbild der Gesellschaft?

TANNER: Ja, das ist so. Wenn sich die Gesellschaft verändert, verändern sich natürlich auch ihre Mitglieder. Und wir haben es in der Tat mit einer veränderten Interessenslage zu tun. Die Jugendlichen sind sehr viel mündiger geworden. Sie sind nicht unbedingt von der Bewegung her talentierter geworden, aber durch die neuen Medien wissen die natürlich viel mehr als ich mit 14 Jahren wusste. Wir hatten fünf Fernsehprogramme und keinen Computer. Jetzt haben wir ein paar hundert Programme und das Internet kommt dazu. Das bildet auch von der kognitiven Seite her.

MEDIEN-MONITOR: Natürlich weiß heute ein 14-jähriger was die Stars verdienen. Wo und wann muss man der weiter voranschreitenden Vermarktung des Fußballs Grenzen setzen?

TANNER: Den tödlichsten Fehler, den Sie als Coach machen können ist, wenn Sie einem jungen Spieler zu früh zu sehr auf die monetäre Schiene bringen. Das tötet im Grunde jede Wissbegierigkeit, jede Neugier. Er hat dann alles und Sie verbauen ihm die Ziele damit. Natürlich können Sie die Vermarktung des Fußballs im Grunde nicht stoppen, im Gegenteil: Das ist ein Markt, gegen den keiner ankommt, weil extrem viel Geld an die Spieler gezahlt wird und die Vereine müssen das erst wieder verdienen. Wenn die entsprechenden Schienen über Marketing und Merchandising oder auch die Jugendarbeit nicht funktionieren, dann geht der Verein kaputt.

MEDIEN-MONITOR: Predigen Sie den jungen Leuten Vereinstreue und Leidenschaft?

TANNER: Das ist zu altmodisch. Da glauben die nicht mehr dran. Im Grunde rennen die Jugendlichen zuerst einmal dem Erfolg hinterher. Das ist auch der Grund, wieso Bayern so viele Fans hat.

MEDIEN-MONITOR: Was sind die größten Unterschiede zwischen dem Fußball, den Sie aus Ihrer Kindheit noch kennen und dem Fußball von heute?

TANNER: Das erste Spiel, das mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist, war das WM-Endspiel 1974. Ich war damals sieben Jahre alt. Wenn Sie das Spiel sehen und es heute mit einem guten Spiel vergleichen, dann kommt Ihnen das vor wie in Zeitlupe.

MEDIEN-MONITOR: Der FC Bayern bekommt gerade einen Hybridrasen, damit der Ball schneller läuft.

TANNER: Den hat Hoffenheim schon vor zwei Jahren eingebaut. Ich habe den in Hoffenheim noch zusammen mit dem Greenkeeper kreieren lassen. Wir haben ein Gummigranulat mit in den Rasen eingebaut. Das ist ein sehr elastischer und schneller Belag und sehr eben, außerdem ist er fest verwoben mit der Rasenstruktur. Wenn Sie den wässern vor dem Spiel, dann ist das von der Schnelligkeit und Dynamik her schon fast wie Kunstrasen. Der Trend geht heute dahin, dass Sie möglichst schnell Richtung ‘Kiste‘ spielen, dass schnell umgeschalten und mit hohem Risiko gespielt wird und das Ganze nicht mehr so positionsorientiert ist wie 1974. Heute spielt man ballorientiert, das heißt, alle verschieben zum Ball. Da sieht man dann, wie komprimiert, eng und schnell alles geht, vor allem wie schnell die Entscheidungen getroffen werden müssen. Und das bedarf eben einer ganz anderen Kompetenz wie das 1974 der Fall war, wo Sie im Eins zu Eins glänzen konnten. Willi ‘Ente‘ Lippens hat mit Berti Vogts in der Bundesliga damals wahre Freudentänze veranstaltet. Das gibt es heute nicht mehr, dem wird vorher schon der Ball geklaut oder er wird einfach über den Haufen gerempelt. Das ist ein anderes Spiel.

MEDIEN-MONITOR: So wie die Manager von Terminen getrieben werden!

TANNER: Ja, das ist schon Stress, den die Spieler erleben und wir versuchen im Training diesen Stress zu simulieren, möglichst so wie er eben im Spiel auch stattfindet. Bei den Managern in der Wirtschaft ist das auch nicht anders, die unter dem ständigen Druck stehen, Leistung zu bringen. Und deshalb erinnere ich mich gerne an diese Spiele, wo man noch richtig mitleben, sich richtig mitfreuen konnte. Wo man noch kurz aus dem Zimmer raus- und wieder reingehen konnte, ohne was verpasst zu haben. Zu Zeiten von Uwe Seeler gab es ja auch noch nicht den Beruf des Spielerberaters. Heute kommt jeder halbwegs talentierte Regionalligaspieler gleich zu den Vertragsverhandlungen mit seinem Agenten vorbei.

MEDIEN-MONITOR: Wie genau hat die Zunft des Spielerberaters den Profifußball und seine Protagonisten verändert?

TANNER: Man darf nicht per se behaupten, dass alle Spielerberater böse sind. Es gibt da, wie immer im Leben gute, weniger gute, schlechte. Sie haben auch ihre Berechtigung in diesem Geschäft, weil Vereine auch Spieler mal gerne unter Wert bezahlen. Im Grunde sollte ein Spielerberater versuchen, ein marktgerechtes Gehalt für den Spieler zu verhandeln, denn der ist in der Regel dazu nicht in der Lage. Schwierig wird es, wenn der Berater mehr auf sein eigenes Säckchen aus ist, als auf das von seinem Spieler. Ganz schwierig wird es, wenn ein Spielerberater versucht, möglichst viele Vereinswechsel zu initiieren, um möglichst oft mit dem Spieler zu partizipieren. Die werben sich mittlerweile wie die Klubs auch untereinander die Spieler ab. Da findet ein knallharter Wettbewerb statt. Das hat natürlich auch das Preisgefüge in die Höhe getrieben.

MEDIEN-MONITOR: Sie arbeiten seit 2012 für Red Bull als Akademie- und Nachwuchsleiter. Inwieweit konnten Sie Ihre Philosophie mit einbringen?

TANNER: Wir haben unsere Philosophie von Hoffenheim mit rüber nach Salzburg gebracht. Aber in einer weiterentwickelten Form. Wir spielen heute sehr viel progressiver, als Sie das vielleicht aus dem Jahr 2008 aus Hoffenheim kennen. In der Form wird die Philosophie vom Sportdirektor vorgegeben und von uns allen mitgetragen. Wir haben eine der schönsten und modernsten Akademien, die sehr innovativ und mit einer Menge Technik ausgestattet ist. Neben den für eine Akademie üblichen Sportanlagen inkl. Fußballhalle und zweier Eishockeyringe haben wir z. B. einen Motorikpark. , ein AlterG-Laufband, aus der Weltraumforschung, wo Sie die Schwerkraft auf 20 Prozent des Körpergewichts reduzieren können. Sie bringen so den Athleten nach Verletzung wieder viel früher ins Laufen. Dann haben wir noch einen Speed-Court, der sich perfekt für koordinative Tests eignet. Das sind Kraftplatten, die wir in der Turnhalle in den Boden integriert haben, das gibt es auch nicht oft auf der Welt. Zudem sind nahe den Trainingsstätten medizinische Labors vorhanden, in denen entsprechende Tests gemacht werden können und somit das Training exakt überwacht und gesteuert werden kann.

MEDIEN-MONITOR: Welche Bedeutung hat neben der fußballerischen auch die schulische und persönliche Entwicklung der jungen Menschen unter Ihrer Führung?

TANNER: Für uns ist wichtig, dass ein Spieler grundsätzlich Mannschaftsspieler ist. Wir wollen nicht den Einzelnen zu einem Christiano Ronaldo ausbilden. Was wir von Anfang an haben wollen ist, dass der Spieler sich im Team richtig verhalten und auf den Nebenmann entsprech­end reagieren kann. Denn nur dann können wir unser taktisches Konzept umsetzen. Dahingehend suchen wir auch die Spieler im Scouting aus. Wir werden jetzt auch über die Möglichkeiten, die uns kognitive Tests bieten, die entsprechenden Typen suchen. Was die Schule anbelangt: Wir haben einen Privatschulzweig dabei, weil nicht alle für das Regel-Schulsystem geeignet sind. Dort können wir über eine verschulte Ausbildung den Spieler zu einem anerkannten Abschluss bringen. Er braucht nur noch ein weiteres Jahr dazu, dann hat er über die Berufsreifeprüfung auch die Matura in der Tasche. Wir halten die Jugendlichen bewusst über die Schule in der Birne fit. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, weil die kognitive Seite in diesem Gemetzel, das da auf dem Spielfeld stattfindet, immer wichtiger wird. Dafür brauchen wir wache Kinder.

MEDIEN-MONITOR: Wenn Sie sich diese jungen Leute aussuchen: Was sollen die denn von Haus aus schon mal mitbringen?

TANNER: Sie sollten grundsätzlich Fußball spielen können, das wäre nicht schlecht am Anfang. Bei den ganz Kleinen ist es uns nicht so wichtig. Da ist mir die polysportive Seite und die Geschichte mit dem Motorikpark wichtiger, weil wir den motorischen Talenten sehr viel schneller etwas beibringen können, im Gegensatz zu denen, die mit zehn Jahren schon fünf Jahre Fußballtraining hinter sich haben. Dass diese dann oft schon in den wesentlichen Muskelgruppen verkürzt sind, kommt dann noch dazu und das limitiert sie später. Deswegen ist mir die Basis die gelegt werden sollte und die eher polysportiv sein sollte, viel wichtiger. Aber wir achten auch sehr stark darauf, ob der Spieler das Spiel versteht und in welcher Form er Entscheidungen trifft. Und dann testet man sie noch auf ihre motorischen Fähigkeiten und natürlich auch auf die Kognition. Zudem versuchen wir, auch wenn es schwer ist, den familiären Hintergrund zu beleuchten. Wenn wir jetzt aber einen Spieler aus Ghana holen, ist es mit dem Familienhintergrund natürlich schwierig.

MEDIEN-MONITOR: Sind die Eltern mit dabei, wenn die jungen Leute zu Ihnen kommen?

TANNER: In der Regel schon, aber viele Spieler, die z. B. aus der Ghana-Akademie kommen, haben ihren Vater noch nie gesehen.

MEDIEN-MONITOR: Sie unterhalten Nachwuchsakademien neben Ghana auch in Brasilien und New York sowie in Leipzig. Sie selbst haben für namhafte Clubs gearbeitet. Gibt es einen internationalen Unterschied in der Entwicklung junger Nachwuchskicker?

TANNER: In Brasilien wird ein anderer Fußball gespielt als in New York. Und ähnlich ist es auch in Afrika. Wenn Sie dort ein Spiel in der 2. Liga sehen, das halten Sie gar nicht für möglich, auf welchen Plätzen die Fußball spielen können. Da gibt es auch kulturell absolute Differenzen. Wo sie sich jedoch alle gleichen, ist in der Nutzung der neuen Medien. Die sind alle bei Facebook und besitzen alle ein Smartphone.

MEDIEN-MONITOR: Gerade Ihr Arbeitgeber wird von vielen Fans im Zuge der Kommerzialisierung durchaus kritisch betrachtet. Einen Verein aus der Retorte wie Red Bull Leipzig würde es ohne den Werbegiganten Red Bull wahrscheinlich gar nicht geben. Warum ist das Engagement von Red Bull im Fußball weit mehr als nur eine Marketingstrategie?

TANNER: Gerade im Fall von Leipzig ist das doch ein Segen für den Fußball im Osten Deutschlands. Es gibt sonst keinen, der sich dort in dem Maße engagiert. Darüber muss man eigentlich froh sein. Dieses Thema wird in den Medien momentan überhaupt nicht gespielt. Diesen Punkt müssen wir selber auch besser beleuchten. Wenn wir die Zuschauerentwicklung gerade in der letzten Saison verfolgt haben, dann hatten wir die Hütte zum Schluss fast ausverkauft mit mehr als 40.000 Zuschauern in der dritten Liga. Das ist im Grunde sensationell, welchen Zuspruch wir dort erfahren. Der Osten ist alleine nicht stark genug, das zeigen mehrere Beispiele. Hansa Rostock ist wirtschaftlich ziemlich schlecht aufgestellt, Dynamo Dresden steigt aus der 2. Liga ab, genauso wie Energie Cottbus. Magdeburg spielt in der vierten Liga und kommt nicht hoch. Die einzigen die in der 2. Liga noch verblieben sind, sind Aue und Union Berlin. Beide haben de facto nicht das große Potential. Das ist die Perspektive des Fußballs im Osten und da eröffnet Red Bull im Moment mit dem Engagement eine ganz andere Perspektive. Das ist natürlich auch ein Grund, warum das so in den Medien gespielt wird. Die eingesessenen Bundesligisten haben doch im Grunde Angst. Die kleinen Vereine sorgen sich um ihren Platz in der Liga und die größeren haben Angst, dass ihnen auf längere Sicht ein internationaler Startplatz genommen werden könnte.

MEDIEN-MONITOR: Da sollte die Kommunikation professionalisiert werden.

TANNER: Ja, das werden wir auch tun.

MEDIEN-MONITOR: Wie kritisch sehen Sie den Einfluss der russischen oder der arabischen Milliardäre auf die Welt des Fußballs?

TANNER:. Oligarchen und Investoren haben oftmals das Ziel, sich ein Spielzeug zu kaufen. Wenn dann jemand ein Spielzeug hat und er will sich den besten Spieler kaufen, dann gibt er natürlich dafür auch unglaublich viel Geld aus. Das treibt die Preise nach oben und darunter leiden dann alle. Von England, wo die meisten Vereine als Kapitalgesellschaften in den Händen von Fremdinvestoren sind, kennen wir das schon. Die fechten dann untereinander einen kleinen Krieg der Sterne aus. Die können das machen, weil die zum einen das Doppelte an Fernsehgeldern kriegen wie bei uns und zum anderen durch ihre Finanzkraft ohnehin andere Möglichkeiten haben. Deshalb kriegen die auch im Grunde jeden Spieler den sie wollen. Wenn das auf ganz Europa übergreift, dann werden es die Vereine, die ihr Geld sauer verdienen müssen, wesentlich schwerer haben. Dafür wurde das Financial Fairplay geschaffen. Ich sehe dabei übrigens für Leipzig keine großen Probleme. Ich hoffe nur, dass UEFA-Präsident Michel Platini seiner Linie treu bleibt.

MEDIEN-MONITOR: Was ist die Idee hinter dem Financial Fairplay?

TANNER: Im Grunde versucht Platini damit die Chancengleichheit zu bewahren. Er versucht dies über die Zulassung zu den internationalen Wettbewerben zu regeln. Manchester City und Paris St. Germain mussten gerade hohe Strafen bezahlen, um ihre Verfehlungen im Sinne des Financial Fairplay zu kompensieren. Er hofft natürlich, dass das diesen Clubs auf Dauer weh tut und zu Verhaltensänderungen führt. Ob er dabei mit reinen Strafzahlungen auskommt, wage ich zu bezweifeln. Einen Oligarchen interessieren dann 15 Millionen Euro Strafe auch nicht sonderlich. Aber es ist im Grunde der richtige Ansatz, man muss diesem Gebaren schon Einhalt gebieten.

MEDIEN-MONITOR: Gerade wurde der FC Barcelona wegen des Transfers minderjähriger Spieler von der FIFA mit einem Transferverbot belegt. Wo muss man hier die Grenzen setzen, um die Kinder vor den kommerziellen Interessen der Vereine und Spielerberater zu schützen?

TANNER: Reine Kindertransfers, und darum ging es in diesem Fall, sind schwerpunktmäßig weder moralisch vertretbar noch wirtschaftlich sinnvoll. Ich würde das nie machen. Wenn überhaupt ist der Transfer Minderjähriger ab dem 16. Lebensjahr vertretbar, wenn auch eine entsprechende sportliche Perspektive absehbar ist.

MEDIEN-MONITOR: Sie sind selbst Vater von drei Töchtern. Wenn eine Ihrer Töchter zu Ihnen käme mit dem Wunsch, Profifußballerin zu werden, was würden Sie ihr raten?

TANNER: Wenn ich wirklich eine Perspektive sehen würde, dann würde ich mein Kind natürlich fördern. Wir bilden nicht nur sportlich, sondern auch in der Persönlichkeit aus. Egal ob man danach Profi wird oder nicht, man spielt sicher, wenn man die Ausbildung durchläuft, auf hoher Amateurebene und man hat dadurch auch bessere Chancen im späteren Leben. Ich würde das meiner Tochter ermöglichen, das ist wie ein Stipendium.

MEDIEN-MONITOR: Herr Tanner, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch mit Ernst Tanner führte Michael Märzheuser beim Hilton Talk am 21. Mai 2014 in München.