Kostenlose Presseportale: Das Internet vergisst nie – oder fast nie

Es klingt ebenso simpel wie vielversprechend: Kostenfreie Online-PR-Portale für die Pressearbeit zu nutzen und die eigenen Nachrichten im Originaltext in Windeseile um den ganzen Globus zu verbreiten. Weil Suchmaschinen Inhalte lieben, erhöht die Nutzung der Portale ganz nebenbei die Sichtbarkeit im Netz. Das freilich kann sich rächen, wenn sich ein Fehler in die Meldung einschleicht hat oder andere Gründe das Unternehmen veranlassen, eine Meldung zu korrigieren oder ganz aus dem Verkehr zu ziehen. Etwa weil Mitbewerber eine strafbewehrte Unterlassungsverfügung erwirkt haben.

Ein weiterer Pluspunkt: Über Presseportale verbreitete Informationen sind auch Kunden und Geschäftspartnern direkt zugänglich. So können die Nachrichten auch dann ein breiteres Publikum erreichen, wenn die klasssichen Medien eine Meldung nicht aufgreifen. Ob es Sinn macht, eine Meldung über ein Presseportal zu verbreiten, hängt vom Unternehmen, den Themen und dem Mediennutzungsverhalten der jeweiligen Zielgruppen ab.

Wenn der Fehlerteufel zuschlägt, ist guter Rat teuer

Was aber, wenn sich in einer über kostenlose Presseportale verbreiteten Meldung der Fehlerteufel eingeschlichen hat? Dann ist guter Rat teuer. Zumal die Nachrichten von einer kaum mehr überschaubaren Zahl an Sekundärdiensten aufgegriffen und automatisch weiterverbreitet werden. Segen und Fluch liegen nahe hier beieinander.

Die gute Nachricht ist: Mit ausreichender Manpower und Ausdauer lässt sich ein Fauxpas weitgehend ausbügeln. Manche Anbieter verlangen eine Gebühr, um die Meldung zu korrigieren oder von ihrem Portal zu entfernen. Das Gros der Portalbetreiber reagiert indessen mit Verständnis auf die Situation und zeigt sich entgegenkommend.

Wer eine Meldung „zurückholen“ will, braucht einen langen Atem

Dennoch ist ein langer Atem gefragt. Schließlich wollen die Seiten mit den fehlerhaften Inhalten erst gefunden werden. Bei einem gut gepflegten Presseverteiler ist das kein Problem: Anruf und um Korrektur bitten und/oder eine überarbeitete Fassung der Meldung an den Kollegen oder die Redaktion verschicken. Bei den kostenlosen Presseportalen hilft dagegen nur eine Google-Abfrage. Meldungstext/-überschrift eingeben, Suche starten, Portalseiten öffnen und versuchen, Kontakt mit den Verantwortlichen aufzunehmen. Bei dutzenden Seiten eine Aufgabe, die Geduld erfordert.

Zumal nicht alle Redaktionen/Redakteure der Portale telefonisch zu erreichen sind. Oftmals funktioniert eine Kontaktaufnahme mit der Bitte um eine Berichtigung oder Löschung der Meldung lediglich per E-Mail bzw. per Eintrag einer Nachricht in eine vorgegebene Kontaktmaske.

Etwas kniffliger wird die Angelegenheit, wenn der Portalbetreiber im Ausland sitzt. In solchen Fällen scheitert die telefonische Kontaktaufnahme schon mal daran, dass auf der Portal-Seite keine Telefonnumer zu finden ist – oder aber niemand ans Telefon geht. Dann bleibt es beim hartnäckigen E-Mail-Kontakt. Auch hier gilt: Ausgang ungewiss. Ob eine Löschung vorgenommen wurde, lässt sich nur feststellen, indem man die fragliche Seite immer wieder aufruft. Es sei denn, der Betreiber meldet sich von sich aus. Doch das ist eher die Ausnahme.

Zeit gilt es auch dann mitzubringen, wenn trotz Löschungen oder Korrekturen die Zahl der Portale, die die fehlerhafte Meldung veröffentlichen, nicht kleiner wird, sondern im Gegenteil zu wachsen scheint. Dies liegt an den bereits oben erwähnten Sekundärdiensten, die ihrerseits Meldungen aus dem Netz saugen. Hier gibt es nur eine Lösung. Nämlich am Ball bleiben, die entsprechenden Portale ausfindig machen, Kontakt aufnehmen und eine Korrektur veranlassen.

Und auch wer meint, endlich alle Presseportale gefunden und eine Korrektur erreicht zu haben, sollte man in größer werdenden Intervallen immer mal wieder eine Google-Suche starten, um mögliche Nachzügler zu identifizieren und zu korrigieren. Die Hartnäckigkeit wird belohnt. Das Internet vergisst nicht alles, aber immerhin verblassen die Erinnerungen von Mal zu Mal mehr.

Autor: Philipp Bücker