„Ich sehe die Finanzen noch weiter explodieren“ ‒ Gespräch mit Lutz Pfannenstiel, Welttorhüter und Fußball-Scout

Niemand ist wohl als Fußballer so weit herumgekommen wie Lutz Pfannenstiel. Seine Profikarriere umfasste 24 Vereine in 12 Ländern auf allen Kontinenten, im wahrsten Sinne ist er ein „Welttorhüter“, zwischen Kanada und Malaysia, zwischen Finnland und Namibia. Dabei hat der heutige Scout der TSG 1899 Hoffenheim die Entwicklung des Fußballgeschäfts global verfolgt und erlebt. Egal ob in Entwicklungsländern oder in Europa, wo am meisten Geld damit verdient wird. Denn Fußball ist König. Beim 20. Hilton Talk in München erzählte der ehemalige Profi auch, warum beim Scouting fünf Caipirinhas aussagekräftiger sind als ein Besuch im Stadion.

MEDIEN-MONITOR: Sie kommen gerade frisch aus Brasilien. Sie hatten dort ein kleines Rendezvous mit einem Delfin.

PFANNENSTIEL: Mich hat ein rosa Flussdelfin im Amazonas in den Finger gebissen, das kommt eher selten vor. Man meint ja immer, Delfine wären recht liebliche Tiere, dabei handelt es sich aber um eine absolute Falschinformation. Dieser rosa Flussdelfin war eher eine Bestie. Ich denke, er hat meinen Finger mit einem Fisch verwechselt. Obwohl er rosarot war, hat es sehr wehgetan.

MEDIEN-MONITOR: Sie sind weltweit der erste Fußballspieler, der in allen sechs anerkannten Kontinentalverbänden einem professionellen Fußballverein angehört hat. Zu Beginn Ihrer Karriere schlugen Sie ein Angebot des FC Bayern München aus, warum?

PFANNENSTIEL: Ich war damals im Kader der U17-Nationalmannschaft und habe mich vielleicht auch ein bisschen überschätzt. Ich kam dann zu einem Probetraining zum FC Bayern und mir ist ein Vertrag angeboten worden, aber eben nur als Vertragsamateur. Das hat mir damals nicht so gut gefallen, ich bin halt auch eher der ungeduldige Typ, was man an der Anzahl meiner Vereine sieht. Dann kam noch ein gewisser Oliver Kahn zu Bayern und da ich nicht der typische Banktorwart war, habe ich mich entschieden, nicht zu Bayern zu wechseln. Vom Herzen her war ich eher ein 60er. Im Nachhinein war es eine gute Entscheidung.

MEDIEN-MONITOR: Woher kommt diese permanente Unstetigkeit in Ihrer sportlichen Vita?

PFANNENSTIEL: Natürlich ist es ein bisschen unstetig, aber viele dieser Vereinswechsel erfolgten ja nicht gezwungenermaßen, sondern hingen meist mit zeitlichen Umständen zusammen. Wenn ein Verein pleitegeht, ein Trainer entlassen wird oder ich in einer Liga wie in Neuseeland gespielt habe, wo die Spielzeit nur sechs Monate läuft, habe ich den sportlichen Ausweg gewählt: Anstatt mich drei Monate auszuruhen, habe ich mich dann doch ausleihen lassen, weil ich einfach zwölf Monate Fußballspielen wollte.

MEDIEN-MONITOR: Was waren denn die Höhepunkte aber auch die Tiefpunkte Ihrer bewegenden Karriere?

PFANNENSTIEL: Ein Höhepunkt war sicherlich, in Brasilien gespielt haben zu dürfen. Ich war dort der erste und einzige Deutsche, der in der höchsten Liga je gespielt hat. Dazu kam noch dieser ominöse Weltrekord, auf allen sechs FIFA-Kontinenten als Profi im Einsatz gewesen zu sein.

MEDIEN-MONITOR: Wollten Sie das gezielt oder kam das einfach so?

PFANNENSTIEL: Der letzte Kontinent war mit Brasilien ein bisschen provoziert, aber die ersten fünf kamen wirklich per Zufall. Mir war das gar nicht so bewusst, weil ich 2007 nach Vancouver in die Amerikanische MLS gewechselt bin und ich mich dort eigentlich niederlassen wollte. Eigentlich war das der Abschluss, aber dann kam eben die Anfrage aus Brasilien. Als Kind hatte ich im niederbayerischen Zwiesel die Vision, einmal für Flamengo Rio de Janeiro im Maracana zu spielen und habe das dann – 25 Jahre später – tatsächlich geschafft. Als dieses Angebot kam, schloss sich für mich der Kreis.

MEDIEN-MONITOR: Gab es auch Tiefschläge?

PFANNENSTIEL: Rückschläge hatte ich natürlich auch einige, so wie meine Gefängnisstrafe in Singapur, wo ich bewiesenermaßen unschuldig 101 Tage in einem der schwierigsten Gefängnisse der Welt saß. Dafür, dass ich einem Inder mitgeteilt hatte, dass wir eine gute Truppe haben und das nächste Spiel gewinnen werden. Das würde wahrscheinlich jeder Fußballer so machen. Ich wurde dafür eingesperrt. Wenn was Schlechtes passiert, dann versuche ich, das Beste daraus zu machen. Singapur war eine absolute Extremerfahrung, denn es gibt dort die Prügel- und die Todesstrafe. Wenn man mit zwölf Kriminellen in einer Zelle sitzt, die sich gegenseitig umbringen oder am Wochenende aufgehängt werden, dann ist es als Fußballer schwierig, neben einem zu liegen, der vor sechs Monaten seine Mutter zerstückelt hat. Das ist dann unangenehm.

MEDIEN-MONITOR: Konnten Sie denen wenigstens ein bisschen das Fußballspielen beibringen?

PFANNENSTIEL: Ich konnte da drin gar nichts machen, ich war dort 23 Stunden in einer Zelle, wo genau zwölf Leute nebeneinander passen, mit einem Loch im Boden, das als Toilette zu benutzen war, ohne Toilettenpapier, ohne Zahnbürste, ohne Handtuch, mit der Möglichkeit, sich einmal in der Woche zu waschen. Man ist dort wie ein Tier behandelt worden. Dort galt es nur zu überleben. Wir waren zwei Weiße in einem asiatischen Gefängnis und wenn dort Todeskandidaten mit dir in einer Zelle liegen, dann haben die nichts zu verlieren. Man wird als Opfer angesehen. Jetzt bin ich ja nicht gerade der Schmalste und der Kleinste aber wenn du nicht darauf vorbereitet bist zu kämpfen, dann wirst du so wie ich in den ersten Wochen jeden Tag verprügelt. Irgendwann versuchst du dann, etwas dagegen zu unternehmen. Als ich dann auch einmal zurückgeschlagen habe, war eine gewisse Erleichterung vorhanden. Es entstand auch eine gewisse Aggressivität in mir, um mich selbst zu schützen. Nach den ersten zwei Wochen wurde es ein bisschen ruhiger und am Schluss erträglicher, weil man wusste, die Zeit läuft bald ab. Wenn ich nicht die deutsche Botschaft gehabt hätte, säße ich dort immer noch im Gefängnis. Meine Inhaftierung wurde sogar zu einem Politikum. Joschka Fischer, dem damaligen deutschen Außenminister wurde verweigert mich zu sehen. Ihm wurde auch gesagt, dass wenn er noch einmal meinen Namen ausspricht, dann darf er wieder nach Hause fliegen. Die Regierung von Singapur stellt sich öffentlich als eine ‘Saubermann-Regierung‘ dar, in Wahrheit betreibt diese aber den modernsten Kommunismus mit ‘Big Brother-Methoden‘. Da wundert es einen nicht, dass man verurteilt wird, wenn man auf die Straße spuckt, einen Kaugummi kaut oder einen Strafzettel nicht bezahlt, oder eben einem Inder sagt, dass man das nächste Spiel gewinnt.

MEDIEN-MONITOR: Diese Tage waren bestimmt eine Ewigkeit für Sie, aber Sie haben es geschafft. Nicht jeder kommt da wieder raus.

PFANNENSTIEL: Ich hatte damals das typische Fußballersyndrom. Ich kam als junger Profi aus der Premier League nach Singapur, hatte dort einigermaßen gut verdient, man lebt in Saus und Braus und lässt die Puppen tanzen. Die wichtigen Dinge im Leben spielten damals noch eine Nebenrolle. Diese Erfahrung in Singapur hat mir eine gewisse Ernsthaftigkeit gebracht und die Werte vermittelt, die man eigentlich haben sollte. Danach war ich mental und körperlich – mit 16 Kilo Gewichtsverlust – ziemlich am Ende. Doch ich habe mich zurückgefightet. Ziemlich genau eineinhalb Jahre später, am zweiten Weihnachtsfeiertag, am Boxing Day in der englischen Premier League, hatte ich während eines Spiels einen Unfall, bei dem ich auf dem Platz sozusagen gestorben bin. Ich hatte keinen Puls und keinen Herzschlag mehr, wurde dreimal wiederbelebt und lag danach noch vier Stunden im Koma. Diese beiden Erlebnisse waren der Startschuss dafür, mich auch für andere Dinge im Leben zu engagieren, die wichtiger sind als Fußball.

MEDIEN-MONITOR: Was sind das für Dinge?

PFANNENSTIEL: Für mich war es wichtig, dass ich den Fußball, der mir viel gegeben hat, auch dazu nützen kann, anderen Menschen auf verschiedene Art und Weise zu helfen. Mit ‘Global United‘ habe ich mein eigenes Charity-Projekt gegründet, das ist inzwischen mit die größte Fußball-Charity der Welt mit fast 500 Spielern. Von einem Lothar Matthäus, über Zidane bis hin zu Zico sind dort absolute Legenden mit dabei. Unser Motto heißt ‘sozialer und nachhaltiger Klimaschutz‘, wo wir uns sehr stark weltweit für den Umweltschutz einsetzen. Durch meine ganzen Reisen habe ich natürlich auch gesehen, wie unsere Welt teilweise heruntergewirtschaftet wird. Der Fußball hat es immer wieder geschafft, Menschen zusammen zu führen und so haben wir es geschafft, Projekte gegen Armut und für Bildung ins Leben zu rufen. Pro Jahr führen wir vier bis sechs Projekte durch, davon immer eines in Afrika, weil mir der Kontinent sehr am Herzen liegt.

MEDIEN-MONITOR: Kommen wir auf den Wandel im Fußball zu sprechen. Wie haben Sie diesen Wandel persönlich erlebt?

PFANNENSTIEL: Der Fußball wandelt sich auf den verschiedenen Kontinenten mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und in verschiedene Richtungen. Viele glauben, dass jeder Brasilianer Fußballspielen kann und die brasilianische Liga etwas ganz Besonderes, der brasilianische Fußball ein Mythos ist. In Wahrheit ist die Liga nichts Besonderes und die talentierten jungen Spieler verlassen mit 15 oder 16 Jahren fluchtartig das Land, weil sie lieber in den europäischen Ligen spielen als zu Hause. Im brasilianischen Fußball grenzt vieles an Menschenhandel, er wird auch stark von Korruption beeinflusst. Und im Zuge der jetzigen Weltmeisterschaft hat man gedacht, dafür holen wir die alten Stars zurück. Was ist die Folge? Bei den Vereinsweltmeisterschaften in Marokko startete heuer Atletico Mineiro neben Bayern München als Mitfavorit ins Turnier. Und mit ihrer Altherren-Truppe, da waren viele Spieler zwischen 37 und 40 Jahre alt, haben sie dann gegen Casablanca verloren. Das zeigt, dass es die jungen Spieler derzeit in Brasilien nicht leicht haben, weil man das Geld lieber in die älteren Spieler investiert. Trotzdem versucht man, Brasilien als Exportland Nr. 1 weiter zu pushen. Tatsächlich aber wurden dort viele Fehler gemacht. Von den letzten 12 Monaten habe ich jetzt fünf davon in Brasilien verbracht. Vor Ort sieht man halt dann, dass viele Gelder einfach falsch eingesetzt werden. Man baut Stadien für 190 Millionen Euro aber man hat keine Parkplätze, man hat keine Zufahrtsstraßen, man hat keine Universität, man hat vor allem keine Krankenhäuser. Dabei stellt sich dann die Frage: Ist man noch ganz bei Trost oder hat das andere Gründe? FIFA-Vorgabe sind für jedes Gastgeber-Land acht Stadien, Brasilien wollte zwölf. Alleine das hat Löcher in Milliardenhöhe gerissen. Und das fehlt nun für die Infrastruktur und für den sozialen Bereich. Der arme Teufel ist dort nicht mehr der aus den Favelas, sondern der aus der gut ausgebildeten Mittelschicht der auf der Universität war. Die lassen sich das nicht mehr gefallen und ich denke, die teilweise gewaltsamen Proteste während des Confed Cups waren ein Fingerzeig. Gottseidank passierte bei der WM so gut wie nichts. .

MEDIEN-MONITOR: Dann können wir nur hoffen, dass wir unblutige Weltmeisterschaften erleben?

PFANNENSTIEL: Ich denke, trotzdem ist Brasilien das Mutterland des Fußballs, auch wenn das die Engländer nicht gerne hören. Dort sind so viel Leidenschaft und Emotion dabei. Momentan gibt es zwei Lager. Die einen wollen eine WM, auf die man stolz sein kann. Auf der anderen Seite gibt es dort so viele politische und soziale Probleme. Viele wissen nun nicht, soll man protestieren oder soll man sich freuen. Da Brasilien aber trotz einer mäßigen Leistung bis ins Halbfinale kam, blieben wir von Protesten verschont..

MEDIEN-MONITOR: Entwickelt sich das Geschäftsmodell Fußball auf allen Kontinenten in die gleiche Richtung oder stellen Sie Unterschiede fest?

PFANNENSTIEL: Natürlich gibt es Unterschiede. Das Hauptaugenmerk liegt immer noch auf Europa. Ein afrikanischer Spieler möchte nicht in Afrika sondern lieber in Europa spielen. Dort möchte er viel Geld verdienen und zum Superstar werden. Viele wollen damit auch ihren Familien helfen. Viele europäische Vereine bauen Fußballakademien in Afrika, um die jungen Spieler bereits vor Ort ausbilden zu können. Und wenn diese dann nach Europa kommen, sind sie schon taktisch geschult. Das ist der Unterschied. Früher waren die Afrikaner und Brasilianer eher die klassischen Straßen- und Spaßfußballer, die sich dann ganz langsam erst an den europäischen Fußball gewöhnen mussten. So wie Jay Jay Okocha, der kam als Riesentalent zu uns, umkurvte alle Gegenspieler und schoss ein Tor. Mit anderen Dingen wie Taktik hat er sich erst später beschäftigt. Die Spieler aus den ärmeren Entwicklungsländern sind also mittlerweile viel weiter in ihrer Entwicklung als früher. In Europa regiert nach wie vor das Geld, wo sich Oligarchen und Scheichs Klubs als Spielzeuge kaufen. Das hat auch das ganze Spiel verändert. Ein Traditionsverein wie der SC Freiburg mit einer guten Nachwuchsarbeit hat keine Chance gegen Vereine wie den VfL Wolfsburg mit seinen finanziellen Möglichkeiten.

MEDIEN-MONITOR: Sie sind für Ihren Verein nicht nur als Repräsentant weltweit unterwegs, sondern auch als Talentsucher. Wie schaffen Sie es, unter vielen Talenten den Richtigen herauszufinden?

PFANNENSTIEL: Unter einem Scout stellt man sich immer einen Talentsucher vor, der mit Block und Stift ins Stadion geht, sich dort die Aufstellung aufschreibt, Striche macht und am Schluss hat er sich auf die Nummer 7 von der Elfenbeinküste festgelegt. So ist es nicht. Scouting ist heutzutage wegen der neuen Medien sehr viel mehr Networking als früher, ich kann mir jedes Spiel aus jedem Land anschauen. Ich habe Zugang auf alle Datenbänke weltweit. In den fernen Ländern die entsprechenden Leute zu kennen ist der Schlüssel zum Erfolg für einen Scout. Die Kunst ist es, einen Spieler zu finden und ihn nach Europa zu holen. Dort muss er dann aber auch funktionieren, sich kulturell integrieren. Das ist das Geheimnis eines guten Scoutings. In Brasilien gibt es tausende talentierte Fußballer, nur ich muss mir halt anschauen: welche Freunde hat er, aus welchen familiären Verhältnissen stammt er, geht er jeden Abend aus, hetzt er den Frauen hinterher und trinkt er dabei fünf Caipirinhas oder hat er Disziplin? Da spielen also viele Sachen mit rein. Nur zu sagen, der ist schnell und technisch stark, reicht nicht. Das Scouting, das am Wohnzimmertisch zuhause bei den Spielereltern stattfindet ist fast genauso wichtig, wie einen guten Spieler zu finden.

MEDIEN-MONITOR: Was zeichnet einen Profifußballer, sportlich, menschlich und als Vorbild aus?

PFANNENSTIEL: Da gibt es verschiedene Charaktere. Zum einen gibt es die, denen das Talent in die Wiege gelegt wurde, die aber leider dann meistens stinkfaul sind. Und dann gibt es die anderen wie z.B. Dante, ein guter Freund von mir. Dante war ein ganz normaler, durchschnittlicher Fußballer, der in seiner Heimat Probleme hatte, einen Verein zu finden. Gerade weil er vielleicht aus armen Verhältnissen stammt, hatte er den Willen und den Drive, Profi zu werden. Er ist mit dem Bus 2800 Kilometer gefahren und hat dann dort bei einem kleineren Verein trainiert. Dort wurde er Profi, ging nach Belgien, zuerst zu einem kleinen, dann zu einem größeren Klub, dann zu Gladbach und auf einmal war er bei einem der größten Vereine der Welt. Jetzt spielt er für Brasilien bei der Weltmeisterschaft. Er hat sich das alles mit Disziplin und Fleiß erarbeitet. Der geht dann auch mal um 21 Uhr ins Bett und spielt nicht bis 2 Uhr an der Playstation. Vom Kopf her ist er klar und er weiß, was er will. Ich persönlich stehe eher auf die Spielertypen, die Disziplin haben, die wissen, dass der Fußball das tägliche Brot bedeutet. Oder du bist supertalentiert, hast aber mentale Probleme , so wie Maradona.

MEDIEN-MONITOR: In welche Richtung wird sich die beliebteste Sportart der Welt in den nächsten Jahren entwickeln, wohin geht die Reise?

PFANNENSTIEL: Fußball ist momentan der Sport, wo am meisten Geld verdient wird, wo die meisten Zuschauer sind und die Firmen ihr Geld reinstecken. Fußball ist vor allem in den Entwicklungsländern die beliebteste Sportart der Welt. Dort gibt es einfach nur Fußball. In den europäischen Ländern ist er Teil der Kultur, der Freizeit und der Geschäftswelt. Ich sehe die Finanzen noch weiter explodieren.

MEDIEN-MONITOR: „Der Torwart, der den Erdball parierte“, schrieb die SZ, anlässlich der Veröffentlichung Ihres Buches „Unhaltbar – Lutz Pfannenstiel, meine Abenteuer als Welttorhüter“. Welche Vision hat der Welttorhüter für die Zukunft von König Fußball?

PFANNENSTIEL: Fußball wird weiterhin die Sportart Nummer 1 bleiben. Die Spieler werden immer fitter und schneller. Die Art und Weise zu spielen wie damals der geniale Günther Netzer würde heute nicht mehr klappen, weil einfach die Dynamik fehlen würde. Das zeigt, wie sich der Fußball verändert hat. Vor allem der deutsche Fußball ist auf dem richtigen Weg. Da hat der DFB in den letzten Jahren viele gute Maßnahmen durchgeführt, gerade im Jugendbereich. Deshalb boomt auch die Bundesliga mit ihren vielen, hoffnungsvollen Talenten. Von unserer Jugendakademie in Hoffenheim schaffen auch viele Junge derzeit den Sprung in die U23 oder in den Profikader. Dass man in Deutschland so erfolgreich weitermacht und nicht den Fehler wie in England oder Spanien begeht und Milliarden rauswirft für ausländische Stars, dafür aber auf die einheimischen, jungen Spieler in Deutschland gesetzt wird, das ist meine Vision.

MEDIEN-MONITOR: Herr Pfannenstiel, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch mit Lutz Pfannenstiel, Welttorhüter und Fußball-Scout, führte Michael Märzheuser beim Hilton Talk am 21. Mai 2014 in München.