„Es war ein großer Schock für alle, dass es die sichere Geldanlage nicht mehr gibt.“ ‒ Gespräch mit Birte Pampel, Vorstandsvorsitzende des Vereins „Geld mit Sinn“

Birte Pampel ist als Kopf des Vereins „Geld mit Sinn“ eine der ganz wenigen weiblichen Meinungsführerinnen innerhalb der Finanzbranche. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen wünscht sich die PR-Expertin, dass die Banken viel mehr auf die Bedürfnisse gerade ihrer jüngeren Kundschaft, der Generation Y, eingehen. „Redet so, dass wir euch verstehen können“! Neben einer zielgruppengerechten Kommunikation setzt sich Birte Pampel auch für mehr Transparenz und soziale Verantwortung bei Banken und deren Finanzprodukten ein. Da letztere es den Anlegern nicht gerade leicht machen, an nachhaltige Investments heranzukommen, bietet ihr Verein den Ratsuchenden Orientierung aus unabhängiger Hand. Für Birte Pampel besteht ihre wichtigste Mission darin, den Anlegern den Weg zu einer nachhaltigen Geldanlage so einfach wie möglich zu machen.

MEDIEN-MONITOR: Rund 60 Prozent aller jungen, vermögenden Menschen in unserem Lande zwischen 18 und 35 Jahren vertrauen ihr Erspartes nicht mehr einer Bank an. Diese jungen, vermögenden Menschen managen ihre Anlagen selbst. Grund hierfür ist sicherlich das zunehmend schlechte Image der Banken und deren Berater. Wieso verliert dieser Berufsstand immer mehr an Reputation?

PAMPEL: Das Image der Banken ist schlecht aber das ist nicht der einzige Grund. Heute wird es immer einfacher, sich selbst zu beraten. Es gibt in Deutschland eine sogenannte Fintech-Szene. Das sind junge Internetunternehmen, die für die Finanzbranche neue Technologien entwickeln -Apple-Pay ist so ein neues Fintech-Tool. Viele dieser Technologien übernehmen schon heute Beratungsaufgaben. Ein weiterer Grund, warum junge Leute zunehmend den Bankbesuch meiden: Viele empfinden das Umfeld einer Bank regelrecht als befremdend. Wir kriegen das mit, weil viele unsere Mitglieder zur Generation Y gehören. Diese Leute sind es gewohnt, im Internet zu shoppen, sind es gewohnt, dass Informationen sofort abrufbar sind, dass man lösungsorientiert mit ihnen arbeitet und dass sie immer die Kontrolle über das Geschehen haben. In der Bankberatung muss sich der Berater häufig erst durch eine lange Liste mit standardisierten Fragen und Protokollen arbeiten. Ihm sitzt aber vielleicht ein 20-Jähriger gegenüber, der sich ein stimulierendes Beratungserlebnis erhofft. Viele Banken haben das bereits gemerkt und sind jetzt viel aufgeschlossener. Eine Bank in München hat sogar eine richtige Coffee-Lounge. Die Frage ist natürlich: Hat sich in der Beratung selbst auch etwas geändert, haben sich die Produkte geändert?

MEDIEN-MONITOR: Sie sind Gründerin und Vorstandsvorsitzende von „Geld mit Sinn“. Sie wollen die Anleger aus der Ohnmacht befreien, die die Finanzkrise bei vielen ausgelöst hat. Wie kann das gelingen?

PAMPEL: Ohnmacht bedeutet für mich das Gefühl, dass entsteht, wenn ich in der Bank oder in der Zeitung immer mit den gleichen drei Problemen konfrontiert werde. Das eine sind die Krisen die uns ständig begegnen, so wie das Problem der Negativzinsen. Die Vorstellung, dass unser Erspartes immer nur positive Zinsen erzielt, ist ein lieb gewonnener Mythos, den wir seit Jahrzehnten hegen und pflegen. Dieser Mythos wird nun von heute auf morgen über Bord geworfen. Und genau das ist in den letzten zehn Jahren ständig passiert. Sie erinnern sich daran, dass es plötzlich hieß, dass Staatsanleihen, die sicherste Geldanlage überhaupt, in Griechenland am Bröckeln sind. Es war ein großer Schock für alle, dass es die sichere Geldanlage nicht mehr gibt. Hinzu kommt noch, dass viele nur ein sehr geringes Wissen über Geldanlagen haben, das führt dazu, dass man sich als Anleger in dieser Finanzwelt überfordert fühlt. Viele haben das Gefühl, dass sie in der Beratung nicht so richtig mitkommen. Gerade junge Menschen kritisieren, dass dort in einer Sprache kommuniziert wird, die sie nicht verstehen. „Redet so, dass wir euch verstehen können“! Das ist die Forderung vieler junger Kunden an die Banken. Das Gefühl, ich kann nichts machen, mir wird nicht zugehört und meine Bedürfnisse werden nicht erkannt, führt dann zu diesem Ohnmachtsgefühl. Da sind wir dann sehr schnell beim Thema „nachhaltige Geldanlagen“.

MEDIEN-MONITOR: Passen Geld und Ethik in der heutigen Zeit überhaupt zusammen?

PAMPEL: Meiner Meinung haben beide eine uralte Verbindung zueinander. Sie kennen vielleicht das Buch „Economics of Good and Evil“ von Tomas Sedlacek. Der bekannte Jungökonom hat in diesem Buch gezeigt, dass die Menschheitsgeschichte von Anfang an in diesem Spannungsverhältnis stand. Auch in der heutigen Zeit kann man das sehr einfach zeigen. Zum Beispiel wenn Sie sich auf den Marienplatz stellen und einfach jemanden fragen, ob er es gut findet, dass seine Geldanlage die Produktion von Streubomben unterstützt – da wird keiner „Ja“ sagen.

MEDIEN-MONITOR: Der Aspekt der Nachhaltigkeit wird in Sachen Investments immer wichtiger. Fußt dieser Hype auf einem glaubhaften Interesse oder geht es nur um ein positives Image?

PAMPEL: Wir haben gerade in den USA erlebt, wie die Rockefeller Foundation ihre kompletten Gelder aus dem Ölgeschäft abgezogen hat. Ein dramatisches Ereignis, besonders wenn man weiß, dass es die Rockefellers waren, die das Ölgeschäft weltweit mitgründeten. Ich glaube, dass für diese Entscheidung beides ausschlaggebend war, der Wille, das Richtige zu tun und Imagegründe. Ehrlich gesagt gilt das doch für die Mehrheit der Unternehmen. Ich kann es trotzdem nur begrüßen, wenn ein Unternehmen sein Kapital nach nachhaltigen Kriterien anlegt.

MEDIEN-MONITOR: Ökologische Investment-Modelle gibt es bei uns auch bereits seit geraumer Zeit. Viele dieser Angebote zu Kautschuk, Biomasse und Wind- oder Solarenergie versprechen Renditen von sechs bis acht Prozent. Viel mehr also als die Zinsen auf dem Sparbuch abwerfen. Wie kann man nun die guten von den bösen Angeboten unterscheiden, denn ein grünes ist nicht automatisch immer auch ein gutes Investment?

PAMPEL: Vermutlich denken nun viele an den Fall „Prokon“. Investments, die solch hohe Rendite versprechen, gibt es auch im konventionellen Anlagebereich, vor allem bei den Direkt-Investments. Das sind Produkte, die man außerhalb der Banken erwirbt und die meistens ein größeres Risiko beinhalten, was sie mit einer höheren Rendite kompensieren. Zu diesem Bereich gehören z.B. Schiffs- und Immobilienfonds. Ob ein Unternehmen solide wirtschaftet und ob es fair mit den Anlegern umgeht, ist nicht leicht nachprüfbar, aber es gibt Anhaltspunkte, die eine erste Vorauswahl ermöglichen. Zum Beispiel die Häufigkeit und Tiefe der Informationen, die das Unternehmen an die Anleger weitergibt, das Bestehen einer Nachschusspflicht, die Stellung des Anlegers im Fall einer Insolvenz. Auf der Homepage von „Geld mit Sinn“ finden Sie dazu eine Checkliste. Wenn es um größere Anlagebeträge geht, halte ich es im Übrigen für ratsam, einen Berater zu konsultieren.

MEDIEN-MONITOR: Ihr Verein „Geld mit Sinn“ engagiert sich durch Aufklärung, durch Mitmachtreffs und detaillierte Informationen zu nachhaltigen Geldanlagen. Wie funktioniert Ihr Konzept für nachhaltige Finanzbildung im Alltag?

PAMPEL: Wir wollen den Anlegern den Weg zu einer nachhaltigen Geldanlage so einfach wie möglich machen. Dabei richten wir uns an den Mainstream, sprich an Menschen, die vielleicht schon davon gehört haben aber noch nicht wissen, wie sie das in ihrer eigenen Geldanlage umsetzen können. Unser Wunsch ist es, dass die nachhaltige Geldanlage irgendwann genauso selbstverständlich wird, wie man heute im Supermarkt zu Bioäpfeln greift. Die Banken haben zwar gelegentlich solche Produkte im Angebot, aber gerade die großen Mainstreambanken machen es den Kunden schwer, an solche Produkte heran zu kommen. Da hilft es, sich erstmal einen Überblick zu verschaffen. Bei „Geld mit Sinn“ bieten wir Veranstaltungen wie den Anlegertreff an, wo man ohne Verkaufsdruck Fragen stellen kann. Wir organisieren auch Abende zu spezifischen Themen wie z.B. Gold und Nachhaltigkeit.

MEDIEN-MONITOR: Welche Vorteile genießt man als Mitglied von „Geld mit Sinn“?

PAMPEL: Der größte Vorteil ist die Sicherheit, die Sie als Mitglied eines Netzwerks haben, das viel mehr Augen und Ohren hat als der Einzelne. Ein Fall wie Prokon ist deshalb passiert, weil viele Menschen an das Gute von diesem Unternehmen geglaubt haben, ohne nach links und rechts zu schauen. Ich behaupte, Anlegern, die bei uns Mitglied sind, wäre das nicht passiert, weil es immer Vereinsvertreter und Mitglieder gab, die davor gewarnt haben.

MEDIEN-MONITOR: Was kostet die Mitgliedschaft bei Ihnen?

PAMPEL: Als Privatperson zahlen Sie zwischen 45 und 90 Euro pro Jahr. Darüber hinaus gibt es eine Fördermitgliedschaft, die nach oben offen ist. Die richtet sich an Stiftungen, NGOs und Unternehmen.

MEDIEN-MONITOR: Im Vorstand von „Geld mit Sinn“ gibt es keinen einzigen männlichen Vertreter. Setzen Sie auf hundert Prozent Frauenpower?

PAMPEL: Sie wissen ja, dass so etwas in der Finanzbranche, in der es praktisch keinen einzigen weiblichen Vorstand gibt, natürlich aufhorchen lässt. Meine Mitgründerin Heidi Geissler und ich wollten Anfang 2010 eine Bewegung gründen, die etwas verändert, die Banking und Geldanlage „näher am Menschen“ anbietet. Als wir dann anfingen uns zu vernetzen, waren es hauptsächlich Frauen, die das für eine tolle Idee hielten. Bei den Männern sind wir nicht direkt auf Skepsis gestoßen, aber es hat immer ein bisschen länger gedauert.

MEDIEN-MONITOR: Haben Frauen andere Ansprüche und Strategien, wenn es um ihre Investments geht?

PAMPEL: Grundsätzlich würde ich sagen: nein! Es gibt mittlerweile eine starke Annäherung zwischen den beiden Geschlechtern. Die Biographien beider ähneln sich immer mehr, heutzutage sind Männer und Frauen ganz selbstverständlich berufstätig. Was das Thema „Nachhaltigkeit“ angeht, sind die Interessen schon etwas unterschiedlich verteilt. Frauen interessieren sich z.B. mehr für soziale Themen, bei den männlichen Anlegern geht es schon häufig um Technologien.

MEDIEN-MONITOR: Aus welchen Sparten und Branchen stammen denn Ihre Mitglieder?

PAMPEL: Grundsätzlich würde ich sagen, dass die Selbstständigen bei uns etwas überwiegen. Dann gibt es natürlich die nachhaltig orientierten Finanzfachleute sowie viele Unternehmerinnen und Unternehmer, unter denen sich ganz spannende Persönlichkeiten befinden wie z.B. Dr. Marie-Luise Meinhold, Gründerin der ersten deutschen grünen Sachversicherung oder Jörn Wiedemann, Gründer der regionalen Wirtschaftsgemeinschaft in Bayern. Insgesamt also ganz interessante Charaktere.

MEDIEN-MONITOR: Sie haben uns heute noch etwas mitgebracht.

PAMPEL: Genau, das ist ein Magazin, das ich allen empfehlen möchte, die sich in das Thema tiefer einarbeiten wollen. Den „Ecoreporter“ gibt es hauptsächlich online, aber einmal im Jahr erscheint dieses Magazin, in dem über nachhaltige Investments aller Art geschrieben wird. Außerdem empfehle ich das „Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments“, sehr gut gemacht, sehr gut recherchiert. Macht Spaß zum Lesen.

MEDIEN-MONITOR: Die Zahl Ihrer Mitglieder nimmt seit der Gründung stetig zu. Lässt sich daraus ein konstanter gesellschaftlicher Wandel im Bewusstsein der Menschen im Umgang mit Geld ableiten?

PAMPEL: Ich glaube ja. Gerade junge Menschen wollen heutzutage zwar Karriere machen aber denen ist das Geldverdienen, zum Leidwesen ihrer Arbeitgeber, nicht mehr ganz so wichtig. Die wollen lieber mehr Zeit für ihre Freizeit, für die Familie, für Reisen. Das hat es vor zehn Jahren so noch nicht gegeben. Dasselbe sieht man in den Supermärkten. Immer mehr Verbraucher wollen wissen, woher die Lebensmittel stammen. Gerade in München legen die Menschen sehr viel Wert auf Bio und Fairtrade. Das sind doch ganz klare Zeichen

MEDIEN-MONITOR: Frau Pampel, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch mit Birte Pampel führte Michael Märzheuser beim Hilton Talk am 26. November 2014 in München.