„Österreich ist uns voraus“: Gespräch mit Ferdinand Fiedler, Vorstandsvorsitzender der Neue Vermögen AG und Aufsichtsratsvorsitzender der BioMa Energie AG

Eher beiläufig wurde Ferdinand Fiedler, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Neue Vermögen AG auf das Thema regenerative Energien aufmerksam. Um einen Kunden bei einer Anlageentscheidung zu beraten, befasste sich der erfolgreiche Vermögensverwalter mit Investmentideen aus diesem Bereich. Schnell stellte er fest, dass dieses Marktsegment noch nicht in ausreichendem Maße in den Fokus der Investoren gerückt war. Weil attraktive Angebote am Markt fehlten, beschloss Fiedler die Sache selbst in die Hand zu nehmen und gründete die BioMa Energie AG, eine Kraftwerkepool-Aktiengesellschaft mit Sitz in Salzburg und einer Niederlassung in Traunstein. Geschäftsbereiche der Gesellschaft sind Konzeption, Planung, Errichtung und Betrieb von Biomasse-Kraftwerken, die Nutzung und Förderung regenerativer Energieträger, insbesondere von Biomasse sowie die Entwicklung, die Produktion und der Vertrieb von Düngemitteln auf biologischer Basis. Die BioMa Energie AG hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Entwicklung im Sektor regenerative Energien aktiv zu begleiten und dabei eigene Akzente zu setzen.

Medien-Monitor: Herr Fiedler, wie kommt man als Vermögensverwalter zu dem Thema regenerative Energien?

Ferdinand Fiedler: Wenn man vermögende Kunden betreut, kommt irgendwann einmal die Frage: Gibt es in diesem Bereich etwas, was investierbar ist? Darüber hinaus hatte ich schon immer ein Faible für das Thema „Biomasse/Holz“, das liegt vielleicht in meinen Wurzeln begründet. Meistens spielen die Vorstandsvorsitzenden der Banken ja Golf. Aber ich stehe am Wochenende in meinem professionellen Sägewerk. Das hat einen ganz einfachen Hintergrund: Im Vermögensverwaltungsgeschäft sieht man selten über den eigene Tellerrand hinaus. Man gewinnt einen Kunden, entwickelt eine Anlagenstrategie und vielleicht weiß man dann in einem Jahr, ob die Strategie aufgegangen ist und der Kunde zufrieden ist. Ein Sägewerk hat einen ganz anderen Effekt: In der Früh sieht man noch das Rundholz, abends das Bauholz und zuletzt das verbaute Holz. So war der erste Bezug zur Biomasse, zum Holz natürlich da. Aber auch begründet in den Wurzeln des Großvaters, der schon Haumeister im Forst war und mich als Kind immer mitgenommen hat.

Medien-Monitor: Wann kam Ihnen die Idee, selbst Kraftwerke zu bauen?

Ferdinand Fiedler: In Pfaffenhofen gibt es ein Kraftwerk, das schon längere Zeit die Vorführanlage im Bereich Energieerzeugung aus nachwachsendem Waldhaugut war. Ich habe mir gedacht, das schaue ich mir mal an. Es hat mich einfach fasziniert, dass man Holz, das bisher im Wald mehr oder weniger verfaulte und dabei genauso viel Kohlenstoffdioxid produzierte, als wenn es verbrannt worden wäre, energetisch nutzen kann. Da habe ich mich gefragt: Warum nutzen wir das nicht? Mein Großvater hatte mir oft davon erzählt, wie er in den 50er Jahren in den Wald gegangen ist und den Wald komplett aufgeräumt vorfand. Da gab es nicht einmal einen Tannenzapfen, weil die Leute nach dem Krieg alles gesammelt haben. Das war der einzige Brennstoff. Aber wenn man heute hinschaut, dann sind die Wälder ja teilweise verwildert. Das kann in manchen Bereichen, wo man eine urwaldartige Struktur haben will, vielleicht Sinn machen, aber ansonsten ist es eher Energieverschwendung. Deshalb hat mir dieser Ansatz sehr gut gefallen.

Medien-Monitor: Wieso haben Sie sich dann für den Standort Österreich entschieden?

Ferdinand Fiedler: In Deutschland haben wir bis zu zehn Jahren dauernde Genehmigungsverfahren. Ich hatte mir auch das Strom-Einspeise-Gesetz bzw. Erneuerbare-Energien-Gesetz genau angeschaut und kam zu dem Schluss, dass sich das Vorhaben letztendlich nur für einen Investor rentiert, der die komplette Wärme für einen großen Industriekunden platzieren kann. Da muss ich den Österreichern Tribut zollen; die haben damals relativ kurzfristig und schnell ein knackiges Gesetz auf den Plan gebracht. Die Österreicher haben gesagt: Wer es in zwei Jahren schafft, die Genehmigung für ein Biomasse-Kraftwerk zu erhalten und bis zum 30.06.2006 die erste Kilowattstunde Strom ins Netz einspeist, bekommt eine lukrative Vergütung vom Staat von 15 Cent auf 13 Jahre. Deswegen habe ich gleich fünf Kraftwerke geplant, mit einem versierten Ingenieur an meiner Seite. Dann bin ich losgelaufen und habe Standorte gesucht. Es war nicht einfach, entsprechende Standorte zu evaluieren. Nachdem ich mich mit Gemeinderäten in Sitzungen stundenlang gestritten habe, musste ich einige Standorte wieder aufgeben. Als dann endlich fünf geeignete Standorte gefunden waren, gingen wir auf Banksuche und für das nötige Eigenkapital auf Werbetour. Ich habe eigenhändig 1.000 Leute nacheinander durch das Kraftwerk Pfaffenhofen geführt. Von diesen konnte ich 800 als Aktionäre gewinnen. Das heißt, wir hatten in relativ kurzer Zeit 25 Millionen Eigenkapital auf die Füße gestellt und den Rest von einem Bankkonsortium erhalten. Dann ging es auch schon richtig los: Wir haben relativ flott und strikt gebaut, Gott sei Dank alle Budgets eingehalten und konnten dann schließlich planmäßig starten. Ein Kraftwerk haben wir wegen der Genehmigungsauflagen nicht geschafft. Die schnellste Kraftwerkgenehmigung erhielten wir in nur fünf Wochen. In Deutschland schafft man es in einem vergleichbaren Zeitraum vielleicht zu einer Genehmigung für den Bau einer Garage. Da ist uns Österreich einfach voraus. Sie schauen sich viel von uns ab, kopieren es und machen es dann um eine Ecke besser. Das habe ich jetzt schon ein paar Mal erlebt und ich glaube, wir müssen in der Richtung ein bisschen etwas dazu tun, damit es auch in Deutschland möglich wird, kostengünstig und effektiv zu vier Biomasse-Kraftwerken zu kommen, die wir nun selber betreiben und die erfolgreich laufen. Wir können mit jedem Kraftwerk 10.000 Haushalte, also etwa 40.000 Personen mit Strom und Wärme versorgen. Das ist auch ein wichtiger Beitrag, den wir für die Umwelt bringen. Vor allen Dingen muss man aber unterstreichen, dass das Holz sowieso verrotten und CO2 produzieren würde. Also machen wir doch besser Energie daraus.

Medien-Monitor: Welche Widerstände mussten Sie sonst noch überwinden?

Ferdinand Fiedler: Ich denke, das größte oder schwierigste Hindernis ist eigentlich die Unwissenheit, mit der man zu kämpfen hat im Umgang mit Behörden und politischen Parteien. Ich habe lange nicht erkannt, dass politische Kräfte dagegen ziehen, einfach um die Idee der anderen Seite zu verhindern.

Medien-Monitor: Wo liegen Ihrer Meinung nach aus Investorensicht die größten Chancen bei Investments in regenerative Energien?

Ferdinand Fiedler: Die meisten Vorhaben auf dem Gebiet der regenerativen Energien funktionieren nur, weil sie per Gesetz Zuschüsse bekommen. In Deutschland hätten wir wahrscheinlich keine einzige Photovoltaik-Anlage auf den Dächern, weil es sich ohne Staatszuschüsse einfach nicht rechnen würde. Eine Biomasseanlage zu bauen ist nun einmal teuer. Ich hatte die Wahl, ein österreichisches Kraftwerk in der Nähe von Salzburg oder im deutschen Freilassing zu bauen, also beide Standorte nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Da hätte ich für dasselbe Kraftwerk mit dem gleichen Aufwand und der gleichen Produktion vier Millionen Euro für den Strom in Deutschland eingenommen. Auf der österreichischen Seite erhalte ich nun sechs Millionen Euro, das heißt ganze zwei Millionen Mehreinnahmen pro Kraftwerk, was sich natürlich auch auf die Rendite für die Investoren auswirkt. Mittlerweile kommen Delegationen aus der Ukraine, Rumänien, Ungarn und Kroatien zu uns. Das Ausland hat sehr großes Interesse an unserer Technologie. Leider sind wir immer noch in Deutschland die kompliziertesten Umsetzer, angefangen natürlich von den Banken und den Genehmigungsbehörden. Wir müssen aber diese umweltschonenden Technologien noch viel schneller auf den Markt bringen. Dazu möchte ich einen Beitrag leisten.

Medien-Monitor: Wie schätzen Sie das Potenzial von Biogasanlagen ein?

Ferdinand Fiedler: Biogasanlagen sind in den letzten drei, vier Jahren gigantisch aus dem Boden geschossen ist. Allerdings haben alle mit dem damaligen Substratpreis kalkuliert. Substrat, z.B. Mais oder Getreide, ist quasi der „Treibstoff“ für die Biogasanlage, der damals mit 25 Euro die Tonne hochgerechnet wurde. Jetzt haben wir deutlich höhere Preise pro Tonne. Das heißt also, die Anlagen rechnen sich nicht mehr. Deswegen werden wir – wenn der Staat nicht nachhilft – leider eine große Insolvenzwelle erleben. Betroffen wäre dann insbesondere der landwirtschaftliche bzw. bäuerliche Bereich. Es werden sich nur diejenigen halten können, die ausreichend Ländereien haben, um sich selbst zu versorgen. Anstatt den Weizen dann für viel Geld am Weltmarkt verkaufen zu können, muss man ihn für die Hälfte in sein eigenes Werk liefern, nur um die Anlage am Leben zu erhalten. Sprich, es geht um das nackte Überleben. Ungefähr 50 Prozent der Biogasbetriebe werden dazu schätzungsweise in der Lage sein. Aber die Glücksritter und Glücksjäger, die sich eine Biogasanlage gebaut haben, werden wahrscheinlich vom Markt verschwinden.

Medien-Monitor: Ihr Unternehmen, die Neue Vermögen AG, hat eine Umweltstiftung gegründet. Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Ferdinand Fiedler: Wir haben diese Stiftung gegründet, weil ich mit meinen Ideen natürlich auf Wanderschaft gehen möchte und dafür Unterstützung in Form von Spendengeldern benötige. Das Thema, z.B. aus nachwachsenden Rohstoffen – wie Erbsen – Kunststoffe herzustellen, liegt mir sehr am Herzen.

Medien-Monitor: Herr Fiedler, vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Michael Märzheuser beim Hilton Talk am 14. November 2007 in München.