Fünf Fragen an…Uwe Brückner, stellvertretender Programmchef von münchen.tv

Er arbeitete von der ersten Sekunde an am Aufbau des Privatfernsehens in Deutrschland mit und ist ihm bis heute treu geblieben. Uwe Brückner ist durch und durch Fernsehmacher, vor und hinter der Kamera. Am liebsten nah bei den Menschen. Dazu hat er bei münchen.tv reichlich Gelegenheit. Dort ist er verantwortlich für für die Serviceprogramme und das RTL-Landesfenster „TV BAYERN live“. Uwe Brückner über gut gemachtes Lokalfernsehen und schlecht gemachte PR.

Medien-Monitor: Sie sind verantwortlich für das RTL-Landesfenster „TV BAYERN live“ und für die Serviceprogramme bei münchen.tv. Welche Formate schaffen es bei Ihnen in die Sendung?

Uwe Brückner: Beim Landesfenster, das sonntags von 17.45 bis 18.45 Uhr bei RTL läuft,  sind es interessante Berichte und Reportagen aus allen Landesteilen: Themen aus  Umwelt, Wirtschaft und Infra­struktur, aber auch Unterhaltsames und in Bayern  jede Menge Kultur – von den Festspielen bis zum Underground-Festival. Wir bevorzugen frische Themen vom Wochenende, die wir sonntags meist exklusiv präsentieren. Der BR erlaubt uns in diesen Zeiten erstaunlich oft den Vortritt.

Uwe Brückner münchen.tv

Uwe Brückner, stellvertetender Programmchef von münchen.tv.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Medien-Monitor: Die Globalisierung schreitet rasant voran. Warum haben Sie sich in Anbetracht dieser Entwicklung gerade für das Lokalfernsehen entschieden?

Uwe Brückner:  Ich hatte das Glück, den Aufbau des Privatfernsehens von der ersten Sekunde an mit zu gestalten. Nach dem Kabelpilotprojekt „Telezeitung München“ und „TV weiß-blau“ arbeitete ich als News-Korrespondent für RTL plus – von Süddeutschland, Österreich und der Schweiz aus. Es waren harte, aber unvergessliche Jahre. Nach nur drei Jahren war RTL Marktführer. Nach weiteren vier Jahren lagen wir auch mit den Nachrichten und Magazinen vorn. Für mich der richtige Zeitpunkt, etwas Neues zu wagen. Ich gründete einen Regionalsender in Oberfranken und wurde Programmchef von RTL München live, einem kompakten Lokalmagazin: Die engagierte Truppe produzierte das schnellste und provokanteste TV-Magazin, das ich kenne – bei Marktanteilen von bis zu 20 Prozent. Die Gründe, um im Lokalen zu arbeiten: Unabhängigkeit und kurze Reaktionszeiten. Außerdem ist man so nah am Zuschauer und am Werbekunden wie sonst nirgendwo im Fernsehen. Und: Lokalfernsehen ist immer ehrlich!

Medien-Monitor: Das Internet hat die Printmedien-Welt in eine schwere Krise gestürzt,  von der sie sich bis heute nicht erholt hat. Derzeit mehren sich die Stimmen, die den klassischen Fernseh-Sendern ein ähnliches Schicksal prognostizieren. Ist das internetfähige Fernsehen, kurz Smart-TV, Fluch oder Segen für ihre Branche?

Uwe Brückner:  Es kommt auf den Content an. News und Stories  „aus der Hood“ sind immer gefragt und werden es wohl auch bleiben. Lokaler Content gewinnt an Attraktivität, wenn er im Lean-Back-Modus rezipiert wird. Er hat die Chance in die Hoheitsgebiete der  Spielfilme und Serien (zwischen 19 und 22.30 Uhr) einzudringen. Smart TV macht Lokales couchfähig. Zudem wird lokaler Content unterhaltsamer.

Medien-Monitor: Bei Ihrem Sender leiten Sie unter anderem die Service-Redaktion und pflegen dadurch auch Kontakt zu zahlreichen PR-Beratern und Pressesprechern. Welche Anforderungen stellen Sie an professionelle Öffentlichkeitsarbeiter?

Uwe Brückner: Grenzen zwischen Journalismus und PR verschwimmen, desto wichtiger sind klare Statements. Dazu nutze ich Ihre Frage: Das Schlüsselwort ist Tansparenz. Das gilt bereits für die Begrifflichkeit. Ein Pressesprecher ist heutzutage verantwortlich für
erfolgreiche Investor Relations. Positive Berichterstattung soll Kurse treiben. Von faktenstarker und schneller Bearbeitung ist sie in vielen Fällen leider meilenweit entfernt. Rechercheanfragen kann die PR kaum bedienen. So mancher Öffentlichkeitsarbeiter arbeitet längst nicht mehr am Dialog mit der „Öffentlichkeit“, sondern macht Druck in der Propaganda-Pipeline. Sehr bedenklich sehe ich die Positionen der sogenannten New-PR-Bewegung: Deren Spektrum reicht von Verschleierung der Auftraggeberschaft bis zu gefakten Quellen und gekaufter Expertise aus Wissenschaft und Forschung.  Und zu allerletzt noch die Brillant-Feuerwerke aus den „MarCom“-Abteilungen. Externe Stakeholder entlarven deren Show immer öfter als Resultat von Nebelbomben. Sehr gerne arbeite ich hingegen mit klassischen PR- und Kommunikations-Profis zusammen, die Ahnung vom Journalismus haben. Die gibt es und das zeichnet auch meine Kooperation mit MärzheuserGutzy aus.

Medien-Monitor:Sie sind seit vielen Jahren im TV-Geschäft: In welcher Art und Weise haben sich Sendeformate und Zuschauerverhalten in dieser Zeit verändert?

Uwe Brückner:  Das TV-Geschäft nimmt die gleiche Entwicklung wie die Politik: Man hechelt Umfragen hinterher statt sich auf seine Erfahrung, Standpunkte und Intuition zu verlassen. Die TV-Inhalte wirken im Fiktion-Bereich retortenhaft. Im News-Bereich kratzen Reporter immer häufiger nur an der Oberfläche. Das recherchebefreite Infotainment-Angebot in den werbestarken Boulevard-Zeiten setzt auf Tiefenentspannung statt auf Anregung. Die Fernseh-Flucht der jungen Professionals geht mit der Tendenz des Nichtwählens d`accord. „Die Fische baden längst woanders“, um ein Bonmot meines langjährigen Geschäftsführers Helmut Thoma zu aktualisieren.

Das Interview führte Lutz Korndörfer.

_________________________________________________________

Uwe Brückner ist seit 2005 Leiter der Serviceredaktion und stellvertretender Programmchef der Sender münchen.tv, münchen2 und RTL München live. Er moderiert im Wechsel mit Kollegen das Magazin „SCHAUFENSTER – Neues aus Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur“. Brückner studierte an der Münchner Filmhochschule Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik.

Als ehemaliger Redakteur bei der „Telezeitung München“ gehört der 52-Jährige zu den Pionieren des deutschen Privatfernsehens. Zwischen 1987 und 1991 war Brückner als stellvertretender Studioleiter am Aufbau des RTL-Landesbüros Süd maßgeblich beteiligt. Anschließend übernahm er den Posten des Programmchefs und Betriebsleiters von RTL München live. Zwischen 1997 und 2003 war Brückner geschäftsführender Gesellschafter der RodachTV GmbH und produzierte Industrie- und Imagefilme für namhafte Konzerne.

Bis 2004 war er Dozent an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing München. Zudem hat Brückner mehrere Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen. Seit 2011 ist er Vorstandsmitglied des internationalen PresseClubs München. Brückner ist dreifacher Gewinner des Bayerischen Lokalfernsehpreises „Telly“. 2010 wurde er mit dem „Metropolitan“ für die beste News-Sendung ausgezeichnet.

münchen.tv – sehen, was in München läuft

münchen.tv ist ein lokaler Fernsehsender aus der bayerischen Landeshauptstadt und via Kabel, Satellit oder DVB-T zu empfangen. Mit einer Bekanntheit von über 80 Prozent im Sendegebiet und täglich über 400.000 Bruttokontakten gehört münchen.tv zu den Leitmedien in der Isarstadt. 721.000 Zuschauer schalten münchen.tv regelmäßig ein – auch deshalb, weil das vielfältige Programmangebot alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt abdeckt.