Fünf Fragen an… Frank Kemper, stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift INTERNET WORLD Business

Frank Kemper kümmert sich als stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift INTERNET WORLD Business seit 2001 u.a. um das Steuern und Akquirieren interner und externer Mitarbeiter, die Kommunikation mit anderen Abteilungen und externen Dienstleistungen und – last but not least – das Schreiben von Beiträgen. Wir sprachen mit ihm über Trends im Journalismus und seine Erfahrungen im Umgang mit PR-Leuten.

Medien-Monitor: Herr Kemper, die INTERNET WORLD Business berichtet über Nachrichten und Trends aus der digitalen Wirtschaft. Eine gedruckte Zeitung für die Online-Branche – wie passt das zusammen?

Frank Kemper: Das passt wunderbar zusammen. Unsere Leser wissen, dass jedes Medium seine Stärken hat, und während Online-Informationsdienste wie internetworld.de stundenaktuell – oder gar live – einen Informationsfluss bereitstellen, bietet Print die optimale Plattform für Analysen und Hintergrundberichte, die mit etwas Abstand geschrieben werden können. Zudem sagen uns viele Leser, dass sie den ganzen Tag in einen Bildschirm blicken, und sich schon richtig darauf freuen, wenn sie sich einmal etwas Zeit nehmen und in Ruhe die INTERNET WORLD Business durchblättern können. Ich finde, ein besseres Lob kann man als Redakteur einer B2B-Fachzeitschrift nicht bekommen.

 

Frank Kemper Internet World Business

Frank Kemper, stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift INTERNET WORLD Business (Foto: Martin Ley).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Medien-Monitor: Sie sind seit knapp 25 Jahren im Geschäft. Wenn Sie zurück­blicken: Was hat sich seither im Journalismus getan – und was ist gleich geblieben?

Frank Kemper: Es hat eine enorme Beschleunigung und Verdichtung stattgefunden. Wenn ich früher für eine Produkt-Marktübersicht ein Dutzend Pressefotos brauchte, konnte das schon einmal eine Woche dauern. Heute habe ich mir die Bilder in 20 Minuten aus dem Netz gefischt. Frappierend ist auch die Globalität der Recherche, etwas, das es bei Fachthemen früher nicht gab. Da fand man dann mal nach sechs Wochen eine amerikanische Fachzeitschrift in der Post. Als ich angefangen habe, waren ja noch nicht einmal Faxgeräte allgemein verbreitet. Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, ein Heft zu machen ohne Internet, ohne E-Mails, ohne Datenübertragung, ohne Ganzseiten-Layout und ohne digitale Fotografie. Undenkbar! Geblieben sind die journalistischen Standards – zumindest bei uns.

Medien-Monitor: Welche Rolle spielen bei Ihrer Arbeit soziale Netzwerke wie Facebook und Xing, Blogs und Twitter als Recherchequellen?

Frank Kemper: Das Geflecht der Social Networks hat sich für mich inzwischen zu einem starken Trend- und Themenbarometer entwickelt. Ich möchte das mal mit einem Bild vergleichen: Man sitzt in einer Kneipe und hat irgendwas zu tun. In einer Ecke läuft ein Fernseher, ein Fußballspiel. Wenn es plötzlich laut wird, dann weiß man, dass es jetzt spannend wird und man näher hinschauen sollte. Daneben sind es die vielen Kleinigkeiten, die einem heute gar nicht mehr auffallen: Dass man problemlos Leute kontaktieren kann, selbst wenn man weder ihre E-Mail-Adresse noch ihre Handynummer kennt, dass man die Schwarm-Intelligenz seines Netzwerkes nutzen kann und so weiter. Ich muss allerdings kritisch anmerken, dass für mich ein Social Media Newsroom noch keine gute Pressestelle ersetzt, und dass das gesamte Internet eine gewaltige Recherchequelle ist, die durch Facebook & Co. nicht ersetzt werden kann.

Medien-Monitor: Wie hat sich in Ihrer Wahrnehmung die Arbeit der Pressestellen und PR-Agenturen in dieser Zeit verändert?

Frank Kemper: Ich habe da sehr ambivalente Gefühle. Einerseits habe ich den Eindruck, dass schlicht die Masse der PR-Kontakte zugenommen hat, andererseits spüre ich auch – positiv – eine gewisse Professionalisierung: Lästige Nachfass-Anrufe, ob ich eine bestimmte Pressemeldung erhalten habe und was ich damit zu tun gedenke, werden seltener. Es gibt einen Trend, den ich recht schlimm finde und der nach meinem Eindruck aus Amerika kommt: Unternehmen sehen die Medien nicht als Partner, sondern nur als Erfüllungsgehilfen für ihre Kommunikationsstrategie. Es findet oft kein Nachdenken darüber statt, wie die PR-Agentur gemeinsam mit dem Journalisten eine Win-Win-Situation schaffen kann, und zwar sowohl für das Unternehmen als auch für den Leser. Im Klartext: Wir Journalisten müssen in erster Linie ein spannendes und tolles Produkt für unsere Leser machen – und nicht die Corporate Guidelines oder Communication Milestones irgendeines Unternehmens erfüllen.

Medien-Monitor: Mitte der 90-er Jahre haben Sie selbst einen Ausflug auf die andere Seite des Schreibtisches gemacht. Wie hat sich diese Erfahrung nach Ihrer Rückkehr in den Journalismus auf Ihre Zusammenarbeit mit PR-Leuten ausgewirkt?

Frank Kemper: Es hilft gelegentlich, Gespräche auf den Punkt zu bringen, wenn man dem Gegenüber deutlich macht, dass man weiß, wie die Interessen verteilt sind. Ich habe nichts davon, einen PR-Werker aus Arroganz oder Misanthropie schlecht zu behandeln. Ich mache meinen Job, er macht seinen. Dadurch, dass ich selbst mal ein paar Monate in einer PR-Agentur gearbeitet habe, weiß ich auch, dass PR-Agenturen oft nur das machen, was der Kunde will, auch wenn es etwas ist, was den Zielen des Kunden letztendlich nicht nützt. Ich würde mir da bisweilen etwas mehr Standing wünschen – aber gute PR-Agenturen haben das auch. Und ich weiß inzwischen, wie sehr es PR-Leute hassen, wenn es der Herr Redaktör wieder ganz, ganz eilig hat. Ja, das ist mir dann auch immer etwas unangenehm. Es hilft aber leider nichts…

Das Interview führte Jochen Gutzy.

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Frank Kemper kümmert sich seit 2001 als stellvertretender Chefredakteur u.a. um das Steuern und Akquirieren interner und externer Mitarbeiter, die Kommunikation mit anderen Abteilungen und externen Dienstleistungen und – last but not least – das Schreiben von Beiträgen. Er studierte Publizistik, Informations­wissenschaft und Politologie an der Freien Universität Berlin. 1987 folgte eine Ausbildung zum Redakteur an der Deutschen Journalistenschule in München. Danach arbeitete er kurz als Werbetexter für die damals noch junge IDG Deutschland, bevor er dort als Redakteur Titel wie IM Information Management und UNIT betreute. Von 1990 bis 1999 arbeitete er als Redakteur bei Fach- und Special-Interest-Zeitschriften wie Fotowirtschaft, fotoMAGAZIN, HiFi Vision, Verkehrs-Rundschau und Trucker.

Ende 1996 wagte er für ein paar Monate einen Ausflug „auf die andere Seite des Schreibtischs“ und arbeitete als PR-Redakteur für Computer-Themen und IT-Management bei einer Münchner PR-Agentur. Kemper ist seit 1991 online – acht Jahre später machte er seine Leidenschaft zum Beruf und stieg bei der Online-Zeitschrift PC-Online ein, zwei Jahre später wechselte er zum Flaggschiff der Branche, der INTERNET WORLD. Privat fotografiert Frank Kemper, fährt Motorrad und segelt manchmal eine Runde auf dem Ammersee. Zurzeit arbeitet er an der Fertigstellung seines ersten Romans „Red Bullet“ (Leseprobe: http://www.neobooks.com/werk/11581.html).

INTERNET WORLD Business – Leitmedium der digitalen Wirtschaft

Als Wirtschaftszeitung für Unternehmer, die das Web als Marketing- und Vertriebskanal einsetzen, konzipiert, hat sich die INTERNET WORLD Business seit ihrer Gründung im Oktober 2005 zu einer Informationsplattform für Internet-Professionals entwickelt. Flaggschiff ist nach wie vor die alle 14 Tage erscheinende gleichnamige Zeitung, die aus dem 1996 gegründeten Internet-Magazin INTERNET WORLD entstand. Mit einer Auflage von 18.000 Exemplaren ist sie die meistgelesene, auf Papier gedruckte Publikation der digitalen Wirtschaft in Deutschland. Tagesaktuelle Nachrichten gibt es im Web unter www.internetworld.de. Dazu erscheinen diverse Newsletter. Daneben richtet die verlagseigene Event-Sparte eine ganze Reihe viel besuchter Fachveranstaltungen für die Branche aus, darunter die Internet World in München mit über 8.000 Besuchern.