„Gerade wenn es einem gut geht, werden Fehler gemacht“ – Gespräch mit Dr. Thomas Geppert, Geschäftsführer BFW Landesverband Bayern e.V.

Dr. Thomas Geppert steht dem bayerischen Ableger des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen als Geschäftsführer vor. Der gelernte Politikwissenschaftler ist seit drei Jahren in dem mittelständisch geprägten Verband tätig, seit 2008 unterrichtet er zudem als Lehrbeauftragter an der Otto-Friedrich Universität in Bamberg. In seiner bisherigen beruflichen Laufbahn arbeitete er als Geschäftsführer der CSU-Wirtschaftskommission, der CSU-Verkehrskommission und Landesgeschäftsführer der Mittelstands-Union. Seit 2014 leitet Dr. Geppert außerdem den Fachausschuss Energie, Infrastruktur, Verkehr und Umwelt der Mittelstands-Union.

MEDIEN-MONITOR: Sie sind Geschäftsführer des Landesverbandes Freier Immobilien und Wohnungsunternehmen Bayern e.V. Was sind die Aufgaben Ihres Verbandes?

Geppert: Wir sind die Interessenvertretung für die private Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. Wir vertreten die Unternehmen, die mit der Immobilie als Wirtschaftsgut umgehen. Die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft ist größtenteils mittelständisch geprägt. Unser Verband ist ein freiwilliger Zusammenschluss und eine klassische Interessenvertretung.

MEDIEN-MONITOR: Wie viele Mitglieder haben Sie?

GEPPERT: Etwa 200 Unternehmen in Bayern. Bundesweit sind es ungefähr 1600. Unsere Mitglieder sind ungefähr für 50 Prozent des Neubaus verantwortlich.

MEDIEN-MONITOR: Wie steht es um die Immobilien- und Wohnungsunternehmen in Bayern?

GEPPERT: Insgesamt sehr gut – die Wirtschaft brummt. Aber gerade wenn es einem gut geht, macht man die meisten Fehler. Was auf die Politik noch eher zutrifft, als auf die Unternehmen selbst. Es gibt viele Herausforderungen. Zum Beispiel im Fall von München: Gern würden unsere Mitglieder ihren Teil zu einem preiswerten und erschwinglichen Wohnraum beitragen. Aber das ist nicht einfach. Die Flächen werden rar, wir haben enorme Baukostensteigerungen, wir haben enorme staatliche Regulierungen und immer mehr Auflagen. Das führt zu mehr Bürokratie und mehr Kosten. Und die Ideen der Politik gehen auch nicht aus. Von daher ist die Herausforderung groß, aber der Branche geht es im Großen und Ganzen recht gut.

MEDIEN-MONITOR: Und wie ist es Ihrer Meinung nach um den deutschen Mittelstand bestellt?

GEPPERT: Wenn Sie nach dem Jetzt fragen, würde ich sagen gut. Viel wichtiger ist jedoch die Frage, wie wird die Lage für die Zukunft gesehen. Aktuell schätzt der Großteil der Mittelständler seine Lage als gut ein. Doch die Frage ist: Wie geht es weiter. Und ich habe bereits gesagt, dass gerade wenn es einem gut geht, viele Fehler gemacht werden. Und da muss ich politisch gesehen sagen, dass die Zuversicht, die ein Mittelständler verspürt, nicht lange weitergeht.

MEDIEN-MONITOR: Rund 90 Prozent der Mittelständler schätzen die Lage als befriedigend ein. Wo gibt es denn in Zukunft Nachholbedarf?

GEPPERT: Ein Mittelständler will keine Steuergeschenke oder Subventionen. Er möchte nur einen klaren ordnungspolitischen Rahmen und eine vorausschauende, planbare Politik. Der mittelständische Unternehmer will sich um seine Arbeit kümmern und nicht mit Bürokratie, Verwaltung und Dokumentationen Zeit verlieren. Jegliche Auflagen stören da nur.

MEDIEN-MONITOR: Um ihre steuerlichen Meldepflichten zu erfüllen brauchen deutsche Mittelständler im Schnitt 218 Stunden. In der Schweiz sind es etwa 63. Wo sehen sie in unserem System Verbesserungsbedarf? Können wir vielleicht von den Schweizern lernen?

GEPPERT: Wir können bestimmt lernen. Das ist ja auch das Motto eines Mittelständlers: Das Beste übernehmen, das Schlechte sein lassen. Natürlich müssen wir uns an guten Vorbildern orientieren. Von pauschalen Ländervergleichen halte ich allerdings relativ wenig, denn jedes Land hat seine Geschichte und spezifischen Rahmenbedingungen. Also ganz eins zu eins kann man es dann auch nicht miteinander vergleichen. Die Bürokratie ist das Hauptübel des Mittelständlers. Nehmen wir das Beispiel des Mindestlohns. An sich ist dieser für den Mittelständler nicht so schlimm, man kann durchaus damit leben. Der mittelständische Familienbetrieb bezahlt eh über dem Mindestlohn. Was hieran allerdings schlimm ist, ist die Umsetzung des Gesetzes – die Rechtsverordnung, die mit übertriebenen Regeln jeden Mittelständler zum Generalverdächtigen macht. Jedes Maß wurde vollkommen überzogen. Im März hat Bundeswirtschaftsminister Gabriel ein Entbürokratisierungsgesetz vorgelegt. Da waren all diese Punkte drin mit einer One-In-One-Out-Klausel. Wenn ein neues Gesetz kommt, muss ein altes Gesetz rausfliegen, was durchaus gut ist. Gleichzeitig hat seine Parteikollegin und Arbeitsministerin Nahles aber das größte Bürokratiemonster aufgebaut, das es je gegeben hat. Was soll man an diesem Gesetz glauben, wenn die Fakten anders sprechen. Auch Kanzlerin Merkel hat gesagt, dass der Bürokratieabbau Chefsache sei. Was kam? Die vorgezogene Fälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge.

MEDIEN-MONITOR: Bundeswirtschaftsminister Gabriel beziffert die Bürokratiekosten in Deutschland auf 40 Milliarden Euro im Jahr. Was sagt da die Mittelstands-Union dazu?

GEPPERT: Wenn Verordnungen die Wirtschaft bzw. einen Betrieb in der Organisation oder Wertschöpfung betreffen, dann sollte das nicht nur im Ressort Arbeit und Soziales geschehen, sondern dann muss auch das Wirtschaftsressort mitspielen. Wir fordern unter anderem einen Wirtschaftsbeirat, der mit Mittelständlern besetzt ist und die Bundesregierung berät. Des Weiteren wäre eine Sunset-Klausel für Verordnungen interessant. Man muss handeln und nicht nur drüber reden.

MEDIEN-MONITOR: Der Ruf aus dem Bundestag nach Selbstständigen ist immer sehr groß. Aber wie groß ist der Anteil an Selbstständigen im Bundestag?

GEPPERT: Das ist auch ein Problem. Wir sind der Wirtschaftsflügel der Partei und beileibe nicht derjenige, den der Parteivorsitzende am liebsten hat. Wir werden sicher nicht aufhören, unseren Finger in die offenen Wunden zu legen. Die Wirtschaft und Unternehmen müssen ihre Interessen bündeln und müssen ihre Meinung laut äußern. Sie wollen eigentlich nur arbeiten und sich um ihre Mitarbeiter kümmern.

MEDIEN-MONITOR: Laut Umfragen wollen Mittelständler in diesem Jahr rund 36% mehr Arbeitsplätze schaffen. Wie schlimm ist es denn tatsächlich in Deutschland um den Fachkräftemangel bestellt?

GEPPERT: Ein Fachkräftemangel ist vorhanden. Der Mittelstand steht durchaus im Image etwas hinter den großen DAX-Unternehmen. Das heißt, es wird schwieriger, hier Fachkräfte zu mobilisieren. Ein Thema, dasunseren Verband auch betrifft, ist der „bezahlbare Wohnraum“. Kriegen die Unternehmen überhaupt noch Fachkräfte, wenn die so viel für Wohnraum zahlen müssen?

MEDIEN-MONITOR: Was können Sie als Verband da tun?

GEPPERT: Es hilft auf keinen Fall eine Symbolpolitik. Das heißt, dass ich an Symptomen reguliere. Beispielsweise die Mieten sind zu hoch, jetzt begrenze ich diese. Das Einzige das hilft, ist, dass ich das Angebot erhöhe und neuen Wohnraum schaffe. Nur das kann Luft aus dem Kessel rauslassen. Im Moment werden junge Familien und Fachkräfte rausgedrängt. Aber auf dem Land wird nicht nur Wohnungsbau betrieben, sondern viel auf Gewerbebau gesetzt, weil sich damit Geld verdienen lässt.

MEDIEN-MONITOR: Wie wollen wir in Deutschland das Problem des Fachkräftemangels lösen?

GEPPERT: Ich finde man muss alle vorhandenen qualifizierten Ressourcen nutzen. Das sind zum Beispiel auch ältere Menschen oder Flüchtlinge.

MEDIEN-MONITOR: Sind Sie zuversichtlich, dass viele qualifizierte Flüchtlinge in unser Land kommen?

GEPPERT: Es ist sicherlich ein passabler Anteil. Wir haben demografische Herausforderungen. Wir werden immer älter und was ist die Antwort der Politik? Man senkt das Rentenalter auf 63. Das genau gegensätzliche Handeln, von dem was eigentlich von Nöten wäre. Man hätte es flexibel halten müssen. Wenn jemand sich fit fühlt und dem Unternehmen gut tut, warum dann diese Ressource vergeuden?

MEDIEN-MONITOR: Sind sie guter Hoffnung, dass es Politiker gibt, die vorhaben, die Probleme im Mittelstand zu lösen?

GEPPERT: Der Mittelständler steckt den Kopf für gewöhnlich nicht in den Sand. Wir müssen noch mehr aufzeigen, was den Mittelständler ausmacht. Sonst bleibt es bei Sonntagsreden. Dass der Mittelstand das Rückgrat der Wirtschaft ist, steht ja außer Frage. Aber man muss auch danach handeln.

Das Gespräch mit Dr. Thomas Geppert führte Michael Märzheuser beim Hilton Talk am 20. Mai 2015 in München.