Copy & Paste: Der digitale Stolperstein für Öffentlichkeitsarbeiter

Ob Vortrag, Pressemitteilung oder Aufmacher für die Mitarbeiterzeitschrift – ein paar Klicks und der Text steht. Als Patchwork zusammenkopierter Fundstücke aus dem Netz. Kaum etwas, das nicht schon an anderer Stelle aufgeschrieben worden wäre. Der Fundus an Textbausteinen ist unermesslich, die Inspiration nur einen Mausklick entfernt. Das Web verändert die Art wie wir Inhalte schaffen und verwischt dabei die Grenzen zwischen Mein und Dein. Eine Herausforderung für jeden Öffentlichkeitsarbeiter.

Als deutsche Zollbeamte Ende letzten Jahres eine Postsendung an „Power-Armbändern“ aus dem Verkehr ziehen, vermuten sie eine gewerbliche Einfuhr – und stoßen auf Plagiate. Kein Einzelfall. Regelrecht überschwemmt wird der Zoll von den gefälschten Produkten. Die Schäden, die den Unternehmen durch billige Imitate entstehen, gehen in die  Milliarden. Deutsche Firmen können davon ein Lied singen.

 

Copy & Paste

Achtung Plagiatsfalle: Ob Vortrag, Pressemitteilung oder Aufmacher für die Mitarbeiterzeitschrift – ein paar Klicks und der Text steht.

 

 

 

 

 

 

 

Nachgemacht wird alles, was schnelles Geld verspricht: Mode, Schmuck, Potenzmittel. Selbst vor Ersatzteilen für Autos und Flugzeuge machen die Fälscher nicht Halt –und nehmen damit billigend in Kauf, dass Menschen zu Schaden kommen.

Geistiger Diebstahl kein Kavaliersdelikt

Doch auch wenn es um geistiges Eigentum geht, sind Fälscher und Kopisten nicht weit. Das Jahr 2011 war in dieser Hinsicht besonders lehrreich. Die Causa Guttenberg hat das Bewusstsein für den Wert geistigen Eigentums geschärft. Gebannt ist die Plagiatsgefahr deshalb aber noch lange nicht. Vielen gilt das Plagiieren von Texten noch immer als Kavaliersdelikt. Zu Unrecht, denn der Schaden ist groß, wenn der Bluff auffliegt, wie der Absturz des einstigen Polit-Stars zeigt.

Achtung Plagiatsfalle

Nicht immer freilich ist der geistige Diebstahl derart evident wie in diesem Fall. Ein waschechtes Plagiat findet sich in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit selten.  Hier ist es eher eine Mischung aus Termindruck und fehlendem Problembewusstsein, die den einen oder anderen Texter in die Plagiatsfalle tappen lässt. Besonders anfällig ist die Generation der „Digital Natives“, die mit Wikis, Blogs und sozialen Netzwerken groß geworden ist und für die es ganz normal ist, Inhalte zu „sharen“, zu „posten“ und zu „liken“, ohne sich dabei groß um Urheberrechtsfragen zu scheren.

Termindruck verleitet zu überhasteten Textrecherchen

Begünstig wird der laxe Umgang mit dem geistigen Eigentum aber auch durch die teils prekären Arbeitsbedingungen. Meldungen müssen veröffentlicht, Vorträge gehalten, Statements abgegeben werden. Steigender Termindruck fordert und fördert die schnelle und eben auch verfängliche Online-Recherche. Das ist in den Redaktionen der Verlage nicht anders als in den Pressestellen. Patchwork-PR-Texte sind das unvermeidliche Kuppelprodukt des Hochgeschwindigkeitsjournalismus im Web-Zeitalter. Auch Geschwindigkeit hat eben ihren Preis. Und der besteht auch in einer extensiven Nutzung des Shortcuts „Copy & Paste“.

Indes, nicht immer ist böse Absicht im Spiel. Die Fallstricke spannt das Netz auch selbst. Wer hat was gesagt und wie ist meine Position? Meinungsbildung ist ein mitunter  langwieriger Prozess, der sich in der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Positionen entwickelt. Im virtuellen Medienraum verwischen da schon mal die Grenzen zwischen Zitat und eigener Denkleistung. Wer kann am Ende noch so genau  nachvollziehen, was selbst gedacht und was nur zitiert ist.

Lückenlose Dokumentation der Recherche

Öffentlichkeitsarbeiter sind deshalb gut beraten, ihre Recherchen peinlich genau zu dokumentieren und auch die eigene Arbeitsweise immer wieder kritisch zu hinterfragen. Das gilt vor allem für umfangreichere Texte wie Reden oder Geschäftsberichte, deren
Entstehung sich über mehrere Tage oder gar Wochen erstrecken. Ein heikler Punkt ist die Dokumentation der Recherche-Ergebnisse: aufgelistet, tags darauf kommentiert, eine Woche später ergänzt. Um da den Überblick nicht zu verlieren, ist eine lückenlose Dokumentation unverzichtbar. Die Routineverknüpfung Textstelle – Quellenangabe erlaubt die Textkontrolle noch Wochen später.

Risikofall „Briefing“

Besonders heimtückisch sind Unterlagen, die einem Texter als vermeintliches Briefing vorgelegt werden und die dann sich bei näherer Betrachtung als ein Flickenteppich aus wild zusammenkopierten Fremdtexten ohne jede Quellenangabe entpuppen. Dahinter mag keine böse Absicht stehen, die Folgen können für Auftraggeber und Texter gleichermaßen fatal sein. Denn was nur wenige wissen: Es gibt inzwischen zahlreiche Programme, mit denen sich Dokumente nach bestimmten Textpassagen durchforsten lassen.

Vorsicht vor Abmahnungen

Das Risiko, dass ein Schwindel auffliegt ist also größer als gedacht. Auch weil so mancher Anwalt in den Textplagiaten ein Geschäft wittert und sich auf die Ahndung solcher Rechtsverstöße verlegt hat. Besonders einfach geht es das bei Texten, die im Web veröffentlicht werden und daher für jedermann frei zugänglich sind. Gut, wer sich auf der sicheren Seite weiß. Wie heißt es so schön: „Ehrlich währt am längsten“. Ein zutreffendes Zitat – und obendrein  urheberrechtlich nicht zu beanstanden.

Autoren: Jochen Gutzy, Mira Dechant