Prof. Dr.-Ing. Kai Lucks, Vorsitzender des Bundesverbandes Mergers & Acquisitions e.V. auf dem 11. Deutschen Corporate M&A-Kongress in München

11. Deutscher Corporate M&A-Kongress am 25./26. November 2013 in München

Mergers & Acquisitions: Kleines Licht am Ende des Tunnels

  • M&A-Markt erholt sich nur sehr langsam von der Finanzkrise
  • Mangel an geeigneten Targets und hohe Preise bremsen Unternehmenskäufe
  • deutsche Unternehmen weltweit stark nachgefragt

München, 27.11.2013 – Wachstumsorientierte, mittelständische Unternehmen stehen oft vor einem Dilemma: Auf dem Heimat­markt ist die Wachstumsgrenze erreicht, für globale Märkte fehlen Zugang, Know-how oder das passende Produkt und Angebot. Eine probate Lösung ist dann der Zukauf von Unternehmen, Unternehmensteilen oder ein Joint Venture mit einem (oft ausländischen) Unternehmen. Welche detaillierten Voraussetzungen, Vorbereitungen und begleitende Maßnahmen dafür nötig sind, war zentrales Thema beim 11. Deutschen Corporate M&A (Mergers&Acquisitions)-Kongress in München. Über 200 M&A-Verantwortliche aus Konzernen und mittelgroßen Unternehmen diskutierten anhand vieler Praxisbeispiele über Märkte, Besonderheiten sowie Fallstricke in zunehmend komplizierten, internationalen M&A-Verfahren.

Nach der Lehman-Pleite 2008 ist der Transaktionsumsatz mit Unternehmenskäufen von 4.000 Mrd. US$ weltweit vor der Finanzkrise um nicht weniger als 70 Prozent gesunken und erholt sich seitdem nur zögerlich. Zu den Nachwirkungen der Krise gesellen sich aber auch weitere Hemmnisse: der Mangel an geeigneten Ziel­objekten (Targets), oft exorbitant hohe Kaufpreise sowie fehlende alternative Anlagemöglichkeiten für den Verkäufer (extrem niedrige Zinsen). Prof. Dr. Kai Lucks, Vorsitzender des Bundesverbands Mergers & Acquisitions e.V., machte in seinem Eröffnungsstatement darüber hinaus zusätzliche Behinderungen für M&A-Aktivitäten aus. Diese seien derzeit auch in den politischen Rahmenbedingungen zu suchen. Im Detail nannte Lucks das Rückrudern von der Agenda 2010, die Gestaltung der Energiewende sowie die hohe Staatsverschuldung in Südeuropa sowie in den USA.

M&A-Geschäft zunehmend global

Nicht zuletzt das Internet hat auch aus der M&A-Welt ein globales Dorf gemacht. Das verkürzt drastisch die Recherche nach einem geeigneten Zielobjekt oder strategischen Partner. Laut Dr. Michael Drill, Vorstandsvorsitzender der Lincoln International AG, haben mittlerweile „70 Prozent der M&A-Deals mit einem Volumen von mehr als 25 Mio. Euro grenzüberschreitenden Charakter“. Deutsche Unternehmen verschafften sich so Zugang zu neuen Vertriebs­strukturen sowie eine nachhaltige Position im internationalen Wettbewerb. Die solide Struktur und das Know-how deutscher Unternehmen sind für ausländische Player hoch attraktiv: „Wir exportieren mehr Unternehmen ins Ausland als deutsche Unternehmen im Ausland zukaufen“, so Michael Drill, der die Zahl internationaler Deals weiter zunehmen sieht: „Wenn Ausländer in Europa kaufen wollen, fangen sie in der Regel mit Deutschland an.“

Die größte Käufergruppe komme nach wie vor aus den USA, gefolgt von Europa und Asien; letztere jedoch mit den größten Steigerungs­raten. Auf Grund sehr unterschiedlicher Prozesse, Kulturen sowie sprachlicher Hemmnisse dauerten Abstimmungen und Verhandlungen mit asiatischen Unternehmen länger als sonst. „Wenn sie sich aber einmal entschieden haben, geht es mit Asiaten meist schneller als mit Amerikanern“, erklärt Drill. Für Käufer bleiben dagegen die USA das wichtigste Zielland. Wachsende Bedeutung sieht Drill auf den Märkten in Russland, Indien und China. Attraktiv, wenngleich in Prozessen und Kaufverhandlungen sehr schwierig sind rohstoffreiche Länder in Südamerika, wie Christoph Seulen, Vice President Crop Science der Bayer AG, berichtete. Dies nicht zuletzt aufgrund eines derzeit schwer kalkulierbaren Währungsrisikos, unterschiedlicher Ethik-Standards sowie einem geänderten Kartellrecht. Anzuraten sei hier in jedem Fall die Unterstützung lokaler Berater.

Viel Know-how nötig

Generell sind die Anforderungen an interne M&A-Manager und externe Berater in immer komplexeren Prozessen deutlich gestiegen. Oft haben gescheiterte Deals oder negative Nachwirkungen gut gemeinter, jedoch missglückter Verkäufe für Aufsehen gesorgt – BenQ ist hier nur ein prominentes Beispiel. Dr. Thomas Sacher, Partner der Beiten Burkhardt Rechtsanwaltsgesellschaft, gab Hinweise, wie vor allem Verkäufer sich absichern können. Der Katalog reicht hier von Verpflichtungen zur Stellung von Eigen- und Fremdkapital über ein Verbot von Maßnahmen des Käufers, die zu Abflüssen beim Target führen, bis hin zur Post Merger-Absicherung durch festgeschriebene Vertragsstrafen oder ähnlichen Sicherheiten. Oft hätten asiatische Unternehmen wenig Interesse, eine übernommene Firma fortzuführen und seien eher an Patenten, Know-how und Marktzugang interessiert. Dem gegenüber sei hierzulande gerade mittelständischen Unternehmen sehr daran gelegen, dass ihr Unternehmen Bestand hat und weiter wächst. Hier eine Lösung zu finden, ist manchmal nicht einfach.

Stolpersteine frühzeitig vermeiden

Ob eine Übernahme oder ein Verkauf erfolgreich ist, hängt nach Meinung aller Referenten zu größtem Teil von einer dezidierten Vorbereitung und von klar strukturierten Prozessen ab. Stolpersteine birgt bereits eine nicht klar strukturierte und kommunizierte Due Diligence. Martina Schaaf und Markus Schmal von der Prüfungsgesellschaft Ebner Stolz empfehlen  „fundierte Financial Fact Books, da diese helfen, kritische Posten wie Schulden, Steuern oder einmalige Aufwendungen bereits im Vorfeld aufzubereiten. Der Verkaufsprozess an sich gestaltet sich dann schneller und einfacher.“ Kommen derartige Themen erst in der Due Dilligence zutage, führe dies oft zum Scheitern des Deals.

Eine rechtzeitige, klar strukturierte und offene Kommunikation mit allen am Prozess beteiligten ist der erste Schritt zu einem gelungenen Verfahren, wie alle Referenten bestätigten. Unternehmen, die auch mit eigenem Personal auf Einkaufstour gehen, empfiehlt Joachim Hahn, der für Bayer, EON und Bilfinger internationale M&A-Transaktionen strukturiert hat, eine eigene „M&A Richtlinie“. Diese hilft Unternehmen, ihre Prozesse zu strukturieren und Fehler zu vermeiden. Aus der Erfahrung großer Zukäufe bei SAP legte Dr. Karl Michael Popp großes Augenmerk auf die so genannten „Deal Breaker“. Diese sollten bereits im Vorfeld identifiziert und detailliert geprüft werden. „Den Super GAU sieht man nicht, wenn man ihn nicht kennt“, warnt Michael Popp.

Nach wie vor ist zwar der Kaufpreis Hindernis Nummer eins, oft aber sind es auch unzureichende Kommunikation der Teams oder nicht parallel laufende Prozesse, die einen Abschluss verhindern. M&A-Experten wie Marc. A. Kühn (Freudenberg Gruppe) oder Dr. Axel Goetz (Beiten Burkhardt) raten daher generell dazu, im Vorfeld einer Übernahme „lieber zu viel regeln als zu wenig“. Die grundlegenden Elemente einer guten Unternehmensführung (Corporate Governance) müssten sowohl auf Käufer- als auch auf Verkäuferseite während des gesamten Prozesses oberste Priorität genießen. Dies spare letztlich auch Zeit und Geld, wenn Verhandlungen vertrauensvoller und reibungsloser gestaltet werden.

Als Fazit aller Referate ließ sich jedoch feststellen, dass aufgrund zunehmender Professionalisierung und besserer Recherchetechniken M&A-Prozesse heute wesentlich strukturierter und damit effektiver gemanagt werden als noch vor Jahren – auch weil selbst mittlere Unternehmen zunehmend auf hauseigene M&A-Expertise setzen. Zudem habe sich die Qualität externer Berater, die vor allem bei internationalen Deals fast unverzichtbar sind, weiter erhöht.

Prof. Dr.-Ing. Kai Lucks, Vorsitzender des Bundesverbandes Mergers & Acquisitions e.V. auf dem 11. Deut­schen Corporate M&A-Kongress in München

Prof. Dr.-Ing. Kai Lucks, Vorsitzender des Bundesverbandes Mergers & Acquisitions e.V. auf dem 11. Deutschen Corporate M&A-Kongress in München

Der Deutsche Corporate M&A Kongress wurde von der Convent Kongresse GmbH in Kooperation mit dem Bundesverband Mergers & Acquisitions e.V. veranstaltet.