12.11.2008, Hilton Munich Park: Bürgergesellschaft, Zivilcourage und Widerstand – Fundamente einer humanen Gesellschaft

Die Idee der Bürgergesellschaft fasziniert. Weil sie eigenverantwortliches Handeln und individuelle Verantwortung des Einzelnen betont und eine Alternative zum regulierenden, intervenierenden und gängelnden Wohlfahrtsstaat bietet. »Die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft kann unsere Gesellschaft nur mit und durch die Bürger bestehen, niemals für sie oder gegen sie«, so das Credo ihrer Anhänger.

Dabei geht es keineswegs nur um kosmetische Korrekturen an der überbordenden Sozialbürokratie. Die Bürgergesellschaft ruft vielmehr danach, das Verhältnis zwischen Staat und Bürger von Grund auf neu auszutarieren – frei nach dem Lincoln’schen Prinzip des „government of the people by the people and for the people“. Indes, eine bürgernahe Organisation des öffentlichen Lebens kann nur gelingen, wenn sie von regional und lokal geprägten Strukturen der Selbstbestimmung der Bürger getragen wird.

Doch was die Anhänger der Bürgergesellschaft als ihre Stärke betrachten – die Verwurzelung der Politik in den Lebenswelten der Menschen –, werten ihre Kritiker zugleich als ihre größte Schwäche. Wieviel bürgerschaftliches Engagement und Zivilcourage braucht unsere Gesellschaft also? Und wie ermutigt man die Bürger dazu, mehr Verantwortung für ihr eigenes Leben und das Gemeinwesen zu übernehmen? Über diese und andere Fragen diskutieren wir am 12. Novemeber unseren Talk-Gästen.

 

Dr. phil. Christoph H. Werth

Dr. phil. Christoph H. Werth
Medienwissenschaftler und Publizist, Dozent am Institut für Politikwissenschaft der Universität Erfurt

Dr. phil. Christoph H. Werth, ist ein leidenschaftlicher Verfechter der Bürgergesellschaft. Der Verfasser eines Standardwerkes zur politischen Ideengeschichte der Weimarer Republik lehrt Politische Wissenschaft, Medienpolitik und Politische Theorie an der Universität Erfurt. Seine wissenschaftliche Karriere startete er am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Bonn.

Dann folgte der Einstieg in die Politik: zunächst als Mitarbeiter in Abgeordnetenbüros des Deutschen Bundestages, danach als Büroleiter eines Parlamentarischen Staatssekretärs, zuständig für Medienpolitik, sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Enquete-Kommission »Zukunft der Medien – Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft« des Deutschen Bundestages und schließlich als Geschäftsführer des „Forums Informationsgesellschaft“ der Bundesregierung. Zuletzt war er als Dozent am Institut für Politikwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena tätig. Zum Gespräch

Dr. Bernhard Bueb

Dr. Bernhard Bueb
Theologe, Pädagoge und Publizist

2006 erregte Dr. Bernhard Bueb mit seinem Erziehungsbuch »Lob der Disziplin – Eine Streitschrift« große Aufmerksamkeit in den Medien. Disziplin, so schreibt er darin, sei das Tor zum Glück und bilde das Rückgrat einer jeden guten, sprich gelingenden Erziehung. Bueb weiß, wovon er spricht: Er leitete das Internat Schule Schloss Salem von 1974 bis 2005. Vorher war der studierte Philosoph und Theologe, der im heutigen Tansania geboren wurde, Lehrer und Erzieher an der Odenwaldschule.

Außerdem war er von 1980 bis 1999 Mitglied des Vorstandes der Studienstiftung des deutschen Volkes und ist heute unter anderem Mitglied des Stiftungsrats »Jugend und Bildung« in Konstanz sowie Mitglied des Verwaltungsrats des Deutschen Stiftungszentrums in Essen. Bueb ist Träger des Bundesverdienstkreuzes. Im September 2008 veröffentlichte er ein weiteres Buch mit dem Titel „Von der Pflicht zu führen“. Zum Gespräch

Prof. Dr. Michael Stürmer

Prof. Dr. Michael Stürmer
Historiker und Publizist

Prof. Dr. Michael Stürmer gilt als einer der renommiertesten Historiker Deutschlands. Von 1973 bis 2003 war er Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, von 1988 bis 1998 Direktor des Forschungsinstituts für Internationale Politik und Sicherheit (Stiftung Wissenschaft und Politik) in Ebenhausen/Isartal.

Daneben war er als Gastprofessor in Harvard, am Institute for Advanced Study in Princeton, an der University of Toronto sowie an der Sorbonne tätig und lehrt heute an der School for Advanced International Studies in Bologna. Als Chefkorrespondent für „Die Welt“ und die „Welt am Sonntag“ gibt der Autor mehrerer Standardwerke zur deutschen Geschichte („Das Jahrhundert der Deutschen“, „Das ruhelose Reich“) der öffentlichen Diskussion wichtige Impulse. Zum Gespräch

 

Impressionen:

Impressionen vom Hilton Talk

Als neuer Gastgeber des mittlerweile 9. Hilton Talk konnte Marcus-Milan Arandelovic, Cluster General Manager vom Hilton Munich Park & Hilton Munich City, rund 70 Gäste begrüßen. Zuvor hatte Arandelovic die Leitung das Rome Cavalieri Hilton Hotel inne, das der Waldorf-Astoria Collection, der Luxusmarke der Hilton Hotels Corporation, angehört.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Mit offenen Armen: Michael Märzheuser begrüßt seine Gäste mit einer Einführung ins Thema Bürgergesellschaft. Das Vertrauen in politische Institutionen sei verloren gegangen. Da helfe nur eines: Jeder Bürger müsse mehr Verantwortung übernehmen, die dem Gemeinwohl dient.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Jochen Gutzy und Michael Märzheuser mit den drei Talkgästen: Dr. Christoph Werth (2. v. links), Prof. Michael Stürmer (Mitte) und Dr. Bernhard Bueb (rechts).

 

Impressionen vom Hilton Talk

„Parteien haben sich den Staat zur Beute gemacht. Dabei sind sie träge im Aufnehmen der Stimmung und Bedürfnisse. Nötig wären deshalb mehr basisdemokratische Elemente.“ Dr. phil. Christoph H. Werth, Medienwissenschaftler und Publizist, Dozent am Institut für Politikwissenschaft der Universität Erfurt.

 

Impressionen vom Hilton Talk

„Der Königsweg der Charakterbildung ist das Spiel.“ Dr. Bernhard Bueb, Theologe, Pädagoge und Publizist.

 

Impressionen vom Hilton Talk

„Das Vertrauen ist schwer angeschlagen: Statt der versprochenen drei AAAs, sprich dem Feinsten vom Feinsten, gab es Junk. Die Wiederherstellung des Vertrauens ist deshalb eine große und dringend notwendige Tat.“ Prof. Dr. Michael Stürmer, Historiker und Publizist.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Michael Märzheuser, Markus Pounder und Jochen Gutzy mit Peter Romianowski (2.v.links) und Ulf Richter (3. v. links), den beiden Geschäftsführer der optivo GmbH.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Vater und Sohn: Michael Märzheuser mit Junior Maximilian.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Ein Schmaus für Auge und Gaumen: Das Hilton tischte allerlei Köstlichkeiten für die Gäste auf.