26.04.2006, Hilton Düsseldorf: Bürgergesellschaft, Zivilcourage und Widerstand: Fundamente einer humanen Gesellschaft

Die Idee der Bürgergesellschaft fasziniert. Weil sie eigenverantwortliches Handeln und individuelle Verantwortung des Einzelnen betont und eine Alternative zum regulierenden, intervenierenden und gängelnden Wohlfahrtsstaat bietet, der die Grenzen seiner Wirksamkeit längst überschritten hat.

Und weil die Idee einer bürgernahen Selbstorganisation des öffentlichen Lebens stärkere Zukunfts- und Problemorientierung und höhere Reformfähigkeit der Politik verheißt. „Die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft kann unsere Gesellschaft nur mit und durch die Bürger bestehen, niemals für sie oder gegen sie“, so das Credo der Anhänger der Bürgergesellschaft. Dabei geht es keineswegs nur um kosmetische Korrekturen an der überbordenden Sozialbürokratie. Die Bürgergesellschaft ruft vielmehr danach, das Verhältnis zwischen Staat und Bürger von Grund auf neu auszutarieren – frei nach dem Lincoln’schen Prinzip des „government of the people by the people and for the people“.

Indes, eine bürgernahe Organisation des öffentlichen Lebens kann nur gelingen, wenn sie von regional und lokal geprägten Strukturen der Selbstbestimmung der Bürger getragen wird. Doch was die Anhänger der Bürgergesellschaft als ihre Stärke betrachten – die Verwurzelung der Politik in den Lebenswelten der Menschen –, werten ihre Kritiker zugleich als ihre größte Schwäche. Mit der stärkeren Teilhabe der Bürger an politischen Entscheidungen – so die Befürchtung – könnten am Ende die Steuerungsmöglichkeiten der Politik sogar noch weiter abnehmen, weil dies die Gesellschaft nicht nur pluralistischer, sondern auch komplexer, heterogener und damit zugleich anfälliger für informelle Absprachen jenseits der Öffentlichkeit mache.

Wieviel bürgerschaftliches Engagement und Zivilcourage braucht unsere Gesellschaft also? An welche Voraussetzungen ist die Verwirklichung einer Bürgergesellschaft geknüpft? Ist die Zurückverlagerung der politischen Arena in die Kommunen und Regionen die richtige Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung und des internationalen Terrorismus? Und wie ermutigt man die Bürger dazu, mehr Verantwortung für ihr eigenes Leben und das Gemeinwesen zu übernehmen?

Über diese und andere Fragen diskutierten wir mit unseren Talk-Gästen – dem Medienwissenschaftler und Publizisten Dr. phil. Christoph H. Werth, Dozent am Institut für Politikwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Thomas Grundmann, Sprecher des Vorstands des BürgerKonvents, und dem renommierten deutschen Historiker und Publizisten Prof. Dr. Michael Stürmer.

Talk-Gäste:

Prof. Dr. Michael Stürmer

Prof. Dr. Michael Stürmer
Historiker und Publizist

Prof. Dr. Michael Stürmer gilt als einer der renommiertesten Historiker Deutschlands. 1973 bis 2003 Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. 1988 bis 1998 Direktor des Forschungsinstituts für Internationale Politik und Sicherheit (Stiftung Wissenschaft und Politik) in Ebenhausen/Isartal. Daneben lehrte er als Gastprofessor in Harvard, Princeton, Toronto, an der Sorbonne und an der School for Advanced International Studies in Bologna.

Als Chefkorrespondent für „Die Welt“ und die „Welt am Sonntag“ und Kolumnist so bedeutender internationaler Blätter wie die „Neue Zürcher Zeitung“ und die „Financial Times“ gibt der Autor mehrerer Standardwerke zur deutschen Geschichte („Das Jahrhundert der Deutschen“, „Das ruhelose Reich“) der öffentlichen Diskussion wichtige Impulse.

Thomas Grundmann

Thomas Grundmann
Sprecher des Vorstands des BürgerKonvents e.V.

»Der BürgerKonvent macht Bonn zur Keimzelle eines fast staatstragenden Protests, der innerhalb kürzester Zeit ungewöhnliche Aufmerksamkeit erreichte«, schrieb die einflussreiche Frankfurter Allgemeine Zeitung über die Reformbewegung. Rund 1.500 Mitglieder zählt der BürgerKonvent. In ganz Deutschland entstehen örtliche und regionale Konvente, die den Dialog mit den Bürgern und Politikern vor Ort suchen und dafür sorgen wollen, dass die Menschen ihr Leben wieder mehr in die eigenen Hände nehmen.

Viele Initiativen werben für dieses Ziel, wenige aber haben in so kurzer Zeit so viel erreicht, wie der „BürgerKonvent“. Thomas Grundmann steht als Sprecher des Vorstands mit an der Spitze der Reformbewegung. Als Verleger (Bouvier Verlag) treiben ihn Politik und Zeitgeschichte an, als Bürger kämpft er gegen die Wirklichkeitsflucht der Deutschen und wirbt unermüdlich für eine grundlegende Neuorientierung der deutschen Politik.

Dr. phil. Christoph H. Werth

Dr. phil. Christoph H. Werth
Medienwissenschaftler und Publizist, Dozent am Institut für Politikwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Dr. phil. Christoph H. Werth, ist ein leidenschaftlicher Verfechter der Bürgergesellschaft. Der Verfasser eines Standardwerkes zur politischen Ideengeschichte der Weimarer Republik lehrt Politische Wissenschaft, Medienpolitik und Politische Theorie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seine wissenschaftliche Karriere startete er am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Bonn.

Dann folgte der Einstieg in die Politik, zunächst als Mitarbeiter in Abgeordnetenbüros des Deutschen Bundestages, danach als Büroleiter eines Parlamentarischen Staatssekretärs, zuständig für Medienpolitik, und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Enquete-Kommission „Zukunft der Medien – Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft“ des Deutschen Bundestages und zuletzt als Geschäftsführer des „Forums Informationsgesellschaft“ der Bundesregierung.

 

Impressionen:

Impressionen vom Hilton Talk

Gelungene Premiere: Gut 50 handverlesene Gäste konnte Direktor Michael Specking in den frisch renovierten Räumen des Hilton Düsseldorf zum ersten Hilton Talk begrüßen.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Überzeugender Auftritt: Moderator Michael Märzheuser navigierte die hochkarätig besetzte Talk-Runde sicher durch den Abend.

 

Impressionen vom Hilton Talk

„Es müsste möglich sein, dass die Bürger die Politik viel stärker beeinflussen als nur alle vier Jahre zur Wahl zu gehen.“ Dr. phil. Christoph H. Werth, Medienwissenschaftler und Publizist, Dozent am Institut für Politikwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

 

Impressionen vom Hilton Talk

„Bei der Berichterstattung über politische Themen gibt es zu viel Gleichklang in den Medien.“ Thomas Grundmann, Sprecher des Vorstands des BürgerKonvents e.V.

 

Impressionen vom Hilton Talk

„Die Demokratie ist auf Tugenden angewiesen, die sie selbst nicht hervorbringt: Verantwortungsfähigkeit, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und der Wille zur Freiheit – und die Bereitschaft sie zu verteidigen.“ Prof. Dr. Michael Stürmer, Historiker und Publizist.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Aufmerksam folgten die Gäste den Gedanken der Talk-Gäste.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Bleibende Erinnerung: Bildhauer Otto Wesendonck überreichte den Talk-Gästen Skizzen, die er während des Talks angefertigt hat.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Zufriedene Gesichter bei den Veranstaltern und den Talk-Gästen: Direktor Michael Specking (Hilton Düsseldorf), Jochen Gutzy (Märzheuser Kommunikation), Dr. phil. Christoph H. Werth, Bildhauer Otto Wesendonck, Prof. Dr. Michael Stürmer, Moderator Michael Märzheuser (Märzheuser Kommunikation) und Thomas Grundmann (v.l.n.r.).

 

Impressionen vom Hilton Talk

Von seiner besten Seite zeigte sich das Hilton Düsseldorf beim anschließenden Get Together.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Bis weit in die Abendstunden nutzten die Gäste die Möglichkeit zum Gedankenaustausch.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Unter die Gäste mischte sich Thomas Grundmann (BürgerKonvent) im Anschluss an den Talk – so wie auch die beiden anderen Talk-Gäste.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Michael Märzheuser (Märzheuser Kommunikation), Vermögensverwalter Gottfried Urban (Neue Vermögen AG) und Jochen Gutzy (Märzheuser Kommunikation)(v.l.n.r.).