23.11.2005, Hilton Munich Park: Der Stoff aus dem die Zukunft ist: Vertrauen – die unterschätzte Kraft

Deutschland durchlebt eine tiefe Vertrauenskrise. Über Jahrzehnte kannte die Entwicklung in diesem Land nur eine Richtung – aufwärts. Seither ändert sich die Welt um uns herum in einem atemberaubenden Tempo, manchmal scheint alles den Bach herunterzugehen.

Doch wo globaler Konkurrenzdruck, wachsende Arbeitslosigkeit und kollabierende Sozialsysteme für Verunsicherung sorgen, verflüchtigt sich der Stoff, der uns an eine gute Zukunft glauben lässt: Vertrauen. Noch nie war das Misstrauen gegenüber Politik und Wirtschaft so stark ausgeprägt wie heute. „Manager“ ist vielleicht das Schimpfwort des Jahres. Kaum besser steht es um das Ansehen des politischen Führungspersonals. Und auch die Medien haben viel Vertrauen verspielt.

Die Folgen sind fatal: Viele Bürger kehren der Politik enttäuscht den Rücken zu. Wo schamlos in die eigene Tasche gewirtschaftet wird, verweigern Mitarbeiter den Unternehmenslenkern die Gefolgschaft. Und die Konsumenten treten in den Käuferstreik. Passiven Widerstand könnte man diese Haltung auch nennen. Ursachen und Folgen des Vertrauensverlustes vermischen sich und drohen eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale in Gang zu setzen. Wir müssen dringend die Richtung ändern: „Vertrauen ist der Anfang von allem.“ Doch wie entsteht Vertrauen? Woraus besteht es überhaupt? Wie gewinnt man es und wie lässt es sich wiederherstellen, wenn es einmal verloren gegangen ist – geht das überhaupt?

Über diese Fragen diskutierten beim dritten Hilton Talk am 23. November 2005 gut 80 handverlesene Gäste aus Wirtschaft, Medien, Kultur und Politik mit drei hochkarätigen Talk-Gästen. Univ.-Prof. Dr. Martin K. W. Schweer (Universitätsprofessor für Pädagogische Psychologie an der Universität Vechta und Leiter des dort angesiedelten Zentrums für Vertrauensforschung), Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Oberreuter (Ordinarius für Politikwissenschaft an der Universität Passau und Direktor der Akademie für Politische Bildung in Tutzing) und Sigmund Gottlieb (Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens) redeten Klartext.

Talk-Gäste:

Univ.-Prof. Dr. Martin K. W. Schweer

Univ.-Prof. Dr. Martin K. W. Schweer
Universitätsprofessor für Pädagogische Psychologie, Universität Vechta / Leiter des Zentrums für Vertrauensforschung der Universität Vechta

Auf welche Weise entwickelt sich Vertrauen, wie kann erlebtes Vertrauen beeinträchtigt oder gar zerstört werden und welche Bedeutung kommt dem Vertrauenserleben tatsächlich für das Gelingen oder Misslingen sozialen Miteinanders zu? Ganz gleich, ob es um die Beziehungen innerhalb der Familie, die professionellen Beziehungen im Berufsleben oder auch die Beziehungen der Bürger zu den gesellschaftlichen Institutionen geht: dem erlebten Vertrauen wird für die Qualität der Beziehungen gemeinhin ein hoher Stellenwert beigemessen.

Dabei ist unser Wissen um das Vertrauensphänomen nach wie vor gering. Univ.-Prof. Dr. Martin K. W. Schweer, Leiter des Zentrums für Vertrauensforschung der Universität Vechta, spürt dem Phänomen „Vertrauen“ für die verschiedenen Bereiche gesellschaftlichen Zusammenlebens nach. Eine Sonderstellung bei seinen Forschungsprojekten nehmen die Medien ein. Und das mit gutem Grund. Denn die Medien sind selbst eine zentrale gesellschaftliche Institution, der mit Vertrauen, aber auch mit Misstrauen begegnet werden kann. Andererseits transportieren sie immer auch die Vertrauenswürdigkeit der Institutionen und Personen, die sie darstellen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Oberreuter

Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Oberreuter
Ordinarius für Politikwissenschaft an der Universität Passau
Direktor der Akademie für Politische Bildung in Tutzing

Er gehört zu den einflussreichsten Beobachtern des deutschen Parlamentarismus: Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Oberreuter ist einer jener seltenen Grenzgänger zwischen Politik- und Kommunikationswissenschaft auf der einen Seite und Verfassungsrecht auf der anderen Seite. Immer wieder hat er sich in die Politik eingemischt, sei es als gefragter Experte in zahlreichen Enquête-Kommissionen des Deutschen Bundestages sowie des Bayerischen, Rheinland-Pfälzischen und Sächsischen Landtages oder als langjähriges Mitglied der CSU-Grundsatzkommission, freilich aber ohne sich jemals von der Politik vereinnahmen zu lassen.

Den Fall der Mauer erlebte der streitbare Wissenschaftler auf einer Vortragsreise in der ehemaligen DDR. An der Technischen Universität Dresden hat er nach der Wiedervereinigung den Aufbau der Philosophischen Fakultät und der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften als Gründungsdekan gestaltet. Als Direktor der renommierten Akademie für Politische Bildung in Tutzing, erfolgreicher Buchautor und Kolumnist gibt er dem politischen Diskurs heute wichtige Anstöße.

Sigmund Gottlieb

Sigmund Gottlieb
Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens
Moderator der „Münchner Runde“

Seit mehr als zwei Jahrzehnten begleitet er das politische und wirtschaftliche Zeitgeschehen in Deutschland: Sigmund Gottlieb steht für gründlich recherchierenden und gut informierenden Qualitätsjournalismus. Der studierte Politologe, Historiker und Germanist startete seine publizistische Karriere Ende der siebziger Jahre beim „Münchner Merkur“. Doch schon bald darauf entdeckte er das Fernsehen – zuerst als Redakteur des ZDF in München, bis er 1986 als Korrespondent des Zweiten Deutschen Fernsehens nach Bonn wechselte. Ende der achtziger Jahre erlebte und begleitete Sigmund Gottlieb als Vize-Chef und Moderator des Heute-Journals den Zusammenbruch der DDR, die Wiedervereinigung und wenig später den ersten Golfkrieg.

1991 kehrte er nach München zum Bayerischen Fernsehen zurück, als Stellvertreter des Chefredakteurs. Seit 1995 ist er nun selbst Chefredakteur und „Anchorman“ des Fernsehsenders. Ob als Kommentator der ARD-Tagesthemen, als Moderator der „Münchner Runde“ oder eben als „Team-Chef“ des Bayerischen Fernsehens – Sigmund Gottlieb hat bei seiner Arbeit immer nur eins im Blick: den Auftrag der Zuschauer, ohne dabei jedoch stur auf Quoten zu schielen und seinen hohen journalistischen Anspruch preiszugeben.

 

Impressionen:

Impressionen vom Hilton Talk

Einen herzlichen Empfang bereitete des Hilton Munich Park den Gästen. Michael Schützendorf, Generaldirektor Hilton Munich, konnte zu der Talk-Runde am 23. November 2005 gut 80 handverlesene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien begrüßen.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Ein gutes Gespür für Themen bewies erneut Moderator Michael Märzheuser. Das Thema – „Der Stoff aus dem die Zukunft ist: Vertrauen, die unterschätzte Kraft“ – stand fest, bevor der Deutsche Bundestag mit seinem Misstrauensvotum am 1. Juli 2005 den Weg für Neuwahlen frei machte und das Land in eine wochenlange und zuweilen lähmende parteipolitische Auseinandersetzung stürzte.

 

Impressionen vom Hilton Talk

„Vertrauen ist also nicht nur soziales Beiwerk, sondern etwas, das auch Unternehmen Gewinn bringend nutzen können.“ Univ.-Prof. Dr. Martin K. W. Schweer, Universitätsprofessor für Pädagogische Psychologie, Universität Vechta / Leiter des Zentrums für Vertrauensforschung der Universität Vechta.

 

Impressionen vom Hilton Talk

„In unserem Verfassungssystem ist Vertrauen ein wechselseitiger Prozess. Einerseits müssen die Mandatsträger die Bedingungen dafür schaffen, dass ihnen das Vertrauen gewährt wird. Andererseits bedarf es aber auch der Bereitschaft der Bürger, sich auf die Eigengesetzlichkeiten des politischen Spiels, auch des Medienspiels, einzulassen.“ Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Oberreuter,  Ordinarius für Politikwissenschaft an der Universität Passau / Direktor der Akademie für Politische Bildung in Tutzing.

 

Impressionen vom Hilton Talk

„Wir haben als Journalisten eine Dienstleistungspflicht und dazu gehört für mich auch die Pflicht zur vollendeten Recherche.“ Sigmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens und Moderator der „Münchner Runde“.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Zufriedene Gesichter bei den Organisatoren und ihren Talk-Gästen (v.l.n.r.): Jochen Gutzy (Märzheuser Kommunikation), Michael Schützendorf (Hilton Munich), Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Oberreuter, Sigmund Gottlieb, Univ.-Prof. Dr. Martin K. W. Schweer und Moderator Michael Märzheuser (Märzheuser Kommunikation).

 

Impressionen vom Hilton Talk

Ins Bild gesetzt: Die Skizzen, die Bildhauer Otto Wesendonck während der Talk-Runde anfertigte, sorgten bei den Talk-Gästen für strahlende Gesichter.

 

Impressionen vom Hilton Talk

Für reichlich Gesprächsstoff sorgten die drei hochkarätigen Talk-Gäste. Im Vordergrund zu sehen: Jochen Gutzy (Märzheuser Kommunikation), Ernst Hinsken, MdB, und Bildhauer Otto Wesendonck (v.l.n.r.).

 

Impressionen vom Hilton Talk

Ernst Hinsken, Parlamentarischer Staatssekretär a.D., Vorsitzender des Ausschusses für Tourismus des Deutschen Bundestages, MdB, Gastgeber Michael Schützendorf (Hilton Munich), Moderator Michael Märzheuser (Märzheuser Kommunikation) und Staatssekretär a.D. Dr. Heinz Rosenbauer (v.l.n.r.).

 

Impressionen vom Hilton Talk

Petra Polley, (General Managerin, BILD München) und Gabriele Nestler (Leiterin Bild-Redaktion, Verlagsgruppe Lübbe/Bastei)(v.l.n.r.).

 

Impressionen vom Hilton Talk

Ein wahres Feuerwerk an kulinarischen Köstlichkeiten servierte der Küchenchef des Hilton Munich Park den gut 80 Gästen.