21.11.2012, Hilton Munich Park: Burn-On statt Burn-Out: Wege aus dem Seeleninfarkt

Ausgebrannt. Das Bild des verglühten Feuers trifft den Gemütszustand der Betroffenen recht gut: Wer am Burn-Out-Syndrom leidet, wirkt oftmals apathisch, depressiv und teilnahmslos.

Er brennt nicht mehr – weder für den Beruf, noch für das Leben. Der Tatendrang weicht dem Gefühl totaler Erschöpfung, das derzeit immer mehr Menschen empfinden. Denn der Burn-Out hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt. Abgesehen von der jeweiligen persönlichen Tragik verursacht die steigende Anzahl der Krankheitsfälle enorme volkswirtschaftliche Kosten. Experten gehen davon aus, dass stressbedingte seelische Erkrankungen alleine in Deutschland jährlich mit mehreren Milliarden Euro Schaden zu Buche schlagen. Erschreckend: Seit 1994 ist die Zahl der psychischen Erkrankungen um 120 Prozent gestiegen. Die Ursachen der Burn-Out-Epidemie sind dabei relativ klar: Zunehmender Zeitdruck, verschärfter Konkurrenzkampf, übermäßige Belastungen, ständige Erreichbarkeit, Informationsüberflutung – allesamt Folgen einer immer schneller getakteten Arbeitswelt. Wie nun ist es möglich, diesem Takt zu widerstehen? Wo verläuft die Grenze zwischen Motivation und Überforderung? Auf welche Art und Weise kann jeder Einzelne sein persönliches Feuer am Lodern halten? Wie gelingt der Burn-On? Beim Hilton Talk haben wir derartige Fragen mit unseren Gesprächspartnern diskutiert.

 

Joachim Magin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Joachim Magin
Geschäftsführer der Fachklinik Sonneneck

Bis zu seinem Burn-Out verlief Joachim Magins Karriere in einem atemberaubenden Tempo: Nach dem Studium der Philosophie, Germanistik und Geschichte bekleidete er verschiedene Führungsposten bei unterschiedlichen Medienhäusern, Konzernen und mittelständischen Unternehmen. Er gründete sein eigenes Unternehmen und war als freier Strategieberater tätig. Das hohe Arbeitspensum forderte irgendwann jedoch seinen Tribut: Magin erlitt einen schweren Burn-Out. Etwa sechs Monate lang erholte er sich in der psychosomatischen Klinik Sonneneck im Schwarzwald. In dieser Zeit fand Magin nicht nur wieder zu Kräften, sondern auch eine neue berufliche Perspektive: Der 51-Jährige hat mittlerweile die Geschäftsführung des Hauses übernommen. Zum Gespräch

 

Dr. Werner Kissling

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Werner Kissling
Leiter des Centrums für Disease Management am Uniklinikum rechts der Isar

Als Arzt für Psychiatrie widmet sich Kissling insbesondere der Behandlung und Erforschung psychischer Krankheiten wie Depression, Schizophrenie und Burn-Out. Seit Jahren beschäftigt sich der Mediziner intensiv mit dem Thema „psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“. Dieses hätten Unternehmen jedoch jahrzehntelang ignoriert, kritisierte Kissling jüngst in einem tz-Interview. Gegenwärtig würden Firmen aber verstärkt in die Gesundheitsvorsorge ihrer Mitarbeiter investieren. Bemerkbar mache sich dies unter anderem an einem gestiegenen Informationsbedürfnis. In den vergangenen Jahren hat das Centrum für Disease Management hunderte Unternehmen beraten und Führungskräfte beispielsweise darin geschult, psychische Überbelastungen von Mitarbeitern frühzeitig zu erkennen. Diese positive Entwicklung habe aber nicht nur mit selbstloser Fürsorge zu tun: Die psychischen Erkrankungen ihrer Mitarbeiter, so Kissling, kosteten beispielsweise Firmen mit 1.000 Mitarbeitern rund fünf Millionen Euro jährlich. Zum Gespräch

 

Dr. Stephan Lermer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Stephan Lermer
Diplom-Psychologe, Psychotherapeut, Coach und Glücksforscher

Nach einer betriebswirtschaftlichen Ausbildung zum Systemanalytiker studierte Lermer Psychologie sowie Philosophie und konzentrierte sich dabei auf die Schwerpunkte Persönlichkeit, Kommunikation und Motivation. Während seiner Promotion zum Thema „Körpersprache“ absolvierte er zusätzlich eine Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten (Lehrer u.a. Paul Watzlawick und Viktor Frankl). 1981 gründete er das Institut für Persönlichkeit und Kommunikation in München. Ein Themenfeld mit dem sich Lermer seitdem intensiv beschäftigt hat, ist das des Burn-Outs. Nach Auffassung des Fachmannes ist die soziale und  kommunikative Isolation das erste wahrnehmbare Symptom der Krankheit. Betroffene bedürften daher professionellerer Unterstützung in „Selbstkompetenz“. Weil glückliche Menschen weniger burn-out-gefährdet seien, rät der Coach Unternehmern dazu, Mitarbeitern ein Training zur Burnout-Prävention zu ermöglichen, das auch Glücks- und Selbstkompetenz vermittelt: „Eine Win-win-Situation, die allen nur Vorteile liefert.“ Zum Gespräch

 

Impressionen vom Hilton Talk:

Alexandra Staffler

Gastgeberin und Hilton-Chefin Alexandra Staffler lud nach dem Talk zu kulinarischen Genüssen.

 

 

 

 

 

Joachim Magin

„Ich lebe heute nach einem Rhythmus, den ich selbst gestalte und einhalte.“ Joachim Magin, Geschäftsführer der Klinik Sonneneck, hat seinen Burnout überwunden.

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Werner Kissling

„Wenn ein Burn-Out-Erkrankter den Willen hat etwas zu ändern, liegen seine Heilungschancen bei 90 Prozent.“ Dr. Werner Kissling, Leiter des Centrums für Disease Management am Uniklinikum rechts der Isar.

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Stephan Lermer

„Burn-Out ist eine natürliche Reaktion unseres gesunden psychosomatischen Systems auf langanhaltende Überforderung, vergleichbar, wie wenn eine überlastete Sicherung mit der Zeit durchschmort.“ Dr. Stephan Lermer, Diplom-Psychologe, Psychotherapeut, Coach und Glücksforscher.

 

 

 

 

 

 

 

Michael Märzheuser

„E-Mails sind die Aufmerksamkeitsfresser Nr. 1 geworden.“ Michael Märzheuser, Gastgeber und Moderator des mittlerweile 17. Hilton Talks in München.

 

 

 

 

 

 

Harry Flosser und Talk-Gäste

Eine gute Tradition beim Hilton Talk: Künstler Harry Flosser (links) zeichnet die Talkgäste.