12.09.2012, Hilton Berlin: Zwischen Veränderungswut und Angststarre: Wie viel Wandel muss sein?

„Panta rhei – Alles fließt.“ Ohne Frage: die Erkenntnis des griechischen Philosophen Heraklit ist aktueller denn je. Selten zuvor hatte die Menschheit auf derart zahlreiche und fundamentale Veränderungen zu reagieren.

In Anbetracht von Globalisierung, Schuldenkrise oder Klimawandel sollte die Weisheit des großen Denkers vielleicht sogar modifiziert werden: Die Formel „Alles rast“ entspräche der Realität des 21. Jahrhunderts möglicherweise besser. Um die großen Herausforderungen der Gegenwart bewältigen zu können, initiieren Staat und Gesellschaft Maßnahmen, die bis vor wenigen Jahren noch undenkbar erschienen: Energiewende, Rente mit 67, Schuldenbremse, Kurzarbeit. Bei anderen wichtigen Themen erstarren unternehmerische wie politische Akteure jedoch: Überfällige Gesundheits- oder Steuerreformen werden auf die lange Bank geschoben, der Anteil von Frauen in Führungspositionen steigt nur im Schneckentempo und zahlreiche Firmen zögern überlebenswichtige Change-Prozesse so lange es geht hinaus. Wie viel Wandel verträgt unsere Gesellschaft? Was muss sich in unserem Denken ändern, um in den schnelllebigen Zeiten nicht den Überblick zu verlieren? Und wie viel Zeit dürfen wir uns gönnen, um auch einmal Atem zu holen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der zweiten Auflage des Hilton Talk in Berlin.

 

Portrait Die Führungskräfte

Dr. Ulrich Goldschmidt
Vorstandsmitglied und Hauptgeschäftsführer im Berufsverband „DIE FÜHRUNGSKRÄFTE“

Im Zuge der Globalisierung sind Unternehmen von permanenter Umstrukturierung betroffen. Den zunehmenden Change-Prozessen begegnen Mitarbeiter aber immer häufiger mit Resignation oder Gleichgültigkeit. Weil die Vorstände weitreichende Änderungsmaßnahmen oftmals nur noch mit externen Beratern beschließen, fordert Dr. Ulrich Goldschmidt, dass auch das mittlere Management wieder stärker in die Change-Projekte einbezogen wird. Veränderungen sind auch an anderen Stellen erforderlich. So setzt sich Goldschmidt für mehr Diversity in den Führungsebenen der Bundesrepublik ein. Insbesondere die Zahl der weiblichen Führungskräfte soll steigen. Ein weiteres Anliegen des Verbandes ist die Stärkung der Vertrauenskultur: „Chefs müssen sich wieder mehr darum bemühen, ein motivierendes Arbeitsklima zu schaffen. Wenn die Mitarbeiter stolz auf ihr Unternehmen sind, stimmen am Ende auch die Ergebnisse“, ist Goldschmidt überzeugt. Zum Gespräch

 

Foto Wüthrich

Prof. Dr. oec. Hans A. Wüthrich
Inhaber des Lehrstuhls für internationales Management an der Universität der Bundeswehr München, Managementforscher und Buchautor

Um notwendige Veränderungen anzustoßen, bedarf es der Fähigkeit unreflektierte Muster aufzubrechen. Denn Muster limitieren nach Ansicht von Prof. Dr. Hans Wüthrich unsere Denkräume und schaffen Sachzwänge. „Wir müssen Neues zulassen, um Neues zu sehen“, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler. Wüthrich fordert Führungskräfte auf, die Logik des „Mehr-desselben“ zu verlassen und das eigene Handeln häufiger und tiefgreifender zu hinterfragen. So kritisiert der Träger des Heinz von Foerster-Preises für Organisationskybernetik, dass sich die Konstruktionsprinzipien heutiger Unternehmen einseitig am Primat der Effizienz orientieren und unsere Organisationen immer selbstähnlicher werden. Dabei sei gerade die Vielfalt erfolgsentscheidend. Wüthrich, zweifelsohne den Querdenkern unter den Managementforschern zuzuordnen, fordert von Unternehmen mehr Mut zu gezielten Führungsexperimenten und die Bereitschaft, den Mitarbeitenden ein hohes Maß an Autonomie zuzugestehen. Im Bayerischen Rundfunk sprach sich der Professor denn auch für ein radikales Umdenken in den Chefetagen aus: „Die höchste Stufe von Leadership erreichen Führungskräfte, wenn sie sich obsolet und nicht unersetzlich machen.“ Zum Gespräch

Impressionen vom Hilton Talk:

Ronald van Weezel, General Manager des Hilton Berlin Hotels, war zum zweiten Mal Gastgeber der Netzwerkveranstaltung für Führungskräfte und Kommunikationsprofis aus Wirtschaft, Politik und Medien.

 

 

 

 

 

 

 

„Wir brauchen vor allem mehr Frauen im mittleren Management.“ Dr. Ulrich Goldschmidt, Hauptgeschäftsführer des Berufsverbandes „DIE FÜHRUNGSKRÄFTE“ (DFK).

 

 

 

 

„Die höchste Stufe von Leadership ist es, sich selbst obsolet und nicht unersetzlich zu machen.“ Prof. Dr. oec. Hans A. Wüthrich, Inhaber des Lehrstuhls für internationales Management an der Universität der Bundeswehr München.

 

 

 

 

 

„Mit einer offenen Haltung, Demut und geistiger Flexibilität lässt sich alles bewältigen.“ Olivier Harnisch, Area Vice President Northern and Central Europe der Hilton-Gruppe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Das Innovationstempo steigt weltweit radikal.“ Michael Märzheuser, Gastgeber und Moderator des zweiten Hilton Talks in Berlin.

 

 

 

 

 

 

 

Im Fokus der Kamera: Gesprächsgäste und Moderator beim Hilton Talk in Berlin.

 

 

 

 

 

 

Delikate Desserts: Das Hilton Berlin Hotel verwöhnte seine Gäste nach dem Talk mit zahlreichen Leckereien.