05.06.2013, Hilton Munich Park: Einsteiger, Aussteiger, Umsteiger. Auf zu neuen Zielen

„Die gerade Linie ist gottlos“, postulierte der österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser vor vielen Jahren. Dennoch folgen zahlreiche Berufskarrieren einem vorgezeichneten, geraden Weg, der nur wenig Platz für Richtungswechsel lässt. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen fordern dabei allzu oft Stromlinienförmigkeit und Angepasstheit. Denn die Tendenz zum unternehmerischen Zentralismus, Optimierungszwänge und das Primat der ökonomischen Effizienz verhindern Normabweichungen. Aber nicht alle Menschen schwimmen mit dem Strom. Einige wenige biegen ab und entdecken neue berufliche Triebfedern. Sie entwickeln verblüffende Geschäftsideen oder schlagen einen völlig anderen, für viele unerwarteten Kurs ein. Doch wie kommt es zu solch radikalen Brüchen mit dem Gewohnten? Wie gelingt die Neuorientierung? Und welche Steine liegen auf den neuen Berufswegen? Derartige Fragen wurden beim 18. Hilton Talk in München diskutiert. Dazu wurden ein Einsteiger, ein Aussteiger und ein Umsteiger eingeladen – allesamt unterwegs zu neuen Zielen.

 

Dr. Rudolf Haberleitner
Unternehmer und Firmensanierer

Der österreichische Unternehmer und Sanierer Dr. Rudolf Haberleitner wollte nicht nur vielen Schleckerfilialen neues Leben einhauchen, sondern auch das Konzept des Nahversorgers wiederbeleben. Doch sein Unternehmen musste ein Sanierungsverfahren beantragen, da durch massiven Widerstand der Gewerkschaft die erforderliche Finanzierung nicht aufgestellt werden konnte. Bei seinem Engagement spielten neben wirtschaftlichen auch soziale Aspekte eine Rolle. So sollten seine Dayli-Märkte auch an Sonntagen insbesondere im ländlichen Raum die Möglichkeit bieten, einzukehren und lokaler Treffpunkt zu werden. Im Interview spricht der promovierte Betriebswirt vor dem Sanierungsfall über Vorbilder für seine Märkte, Widerstände gegen sein Projekt – und darüber, warum er Konkurrenz nicht fürchtet. Zum Gespräch

 

 

Wolfgang Schuldlos
Gründer des Instituts für Werbeerfolgsmessung (iwm) und Krimiautor

Zehn Jahre lang führte der 48-jährige Diplom-Statistiker die Geschäfte einer renommierten Mediaagentur. Er betreute DAX-Konzerne und machte sich in der Branche einen Namen. Im Sommer 2011 erfolgte der Schnitt: Schuldlos erklärte, die Geschäftsführung abgeben zu wollen. Der Einser-Abiturient kam mit der Standort-Strategie seines Arbeitgebers nicht zurecht. Die zunehmende Zentralisierung wollte er nicht mittragen. Schuldlos stieg aus und gründete sein eigenes Unternehmen: Das Institut für Werbeerfolgsmessung in Kochel am See. Auch dort betreut der fünffache Vater viele bekannte Firmen, ist aber wesentlich flexibler und genießt mehr Freiheiten. Letztere nutzt er unter anderem für eine neu entdeckte Leidenschaft: Schuldlos schreibt regional gefärbte Kriminalromane. Seine Hauptfigur, Kommissar Bauer, trinkt sehr viel Bier und lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Schuldlos hatte keinerlei Probleme, einen Verlag zu finden. Zum Gespräch

 

 

Bruder Natanael Ganter OFM
Franziskanermönche

In der Medien- und PR-Branche ging der gelernte Werbekaufmann einen branchentypischen Weg. Er absolvierte ein Aufbaustudium mit dem Abschluss PR-Referent und arbeitete für unterschiedliche Werbeagenturen, unter anderem als Anzeigenleiter und Wahlkampfbetreuer. Irgendwann verlor er das Interesse an materiellen Gütern und den Inhalten seiner Arbeit. Während einer Web-Recherche entdeckte er zufällig Informationen über den Heiligen Franziskus von Assisi und war wie gebannt von der Biografie des Kaufmannssohns, der sich mit den Armen solidarisierte, indem er selbst ein Leben in Armut wählte – obwohl für ihn ein Leben als Adliger vorgesehen war. Das Schlüsselerlebnis im Internet zeigte Wirkung: Der Werber, der aus der Kirche ausgetreten war, erkannte, dass es im Leben mehr gibt als Karriere, Macht, Geld und Status. 2006 trat er dem Franziskanerorden bei und erhielt eine Ausbildung zum Ordensmann. Seit fünf Jahren verantwortet der 41-Jährige als Referent der Provinzleitung der Deutschen Franziskaner den Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Medien – für Bruder Natanael Ganter kein Beruf, sondern Berufung. Zuletzt war diese jedoch mit reichlich Arbeit verbunden: Denn der neue Papst hatte sich nach dem Ordensgründer der Franziskaner benannt. Zum Gespräch

 

 

Impressionen vom Hilton Talk

Martin Soerensen

Gastgeber und Director of Operations des Hilton Munich Park Hotel, Martin Soerensen, freut sich auf einen kurzweiligen Abend.

Michael Märzheuser

Michael Märzheuser moderiert gewohnt souverän die Gesprächsrunde.

Rudolf Haberleitner

„Ich möchte in meinem Leben noch einmal etwas tun, was eine soziale Komponente hat. Und deshalb habe ich ein Konzept gemacht, das die Lebensqualität der Menschen verbessert.“ Dr. Rudolf Haberleitner, Unternehmer und Firmensanierer.

Wolfgang Schuldlos

„Ich habe gespürt, wenn ich den Schritt gehe, werden mir tausend Steine vom Herzen fallen. Es war wirklich ein Befreiungsschlag.“ Wolfgang Schuldlos, Gründer des Instituts für Werbeerfolgsmessung (iwm) und Krimiautor, zu seinem Ausstieg aus der Werbebranche.

Bruder Natanael Ganter

„Und irgendwann kommt der Punkt, an dem man sagt ich trau mich jetzt, an dem man sein gesamtes Hab und Gut verschenkt, seine Wohnung auflöst, seine Firma aufgibt, sein Bankkonto auflöst, sein Auto verkauft.“ Natanael Ganter OFM, Franziskanerbruder.

18. Hilton Talk München

Gastgeber und Gäste am Ende eines gelungenen Gesprächsabends.