Blogger-Relations als gängiges PR-Tool

Die Digitalisierung schafft neue Arbeitsweisen in der Medienbranche. Mit dem redaktionell unabhängigen Blogger tritt beispielsweise ein neuer medialer Ansprechpartner in den Ring, dessen Potential es zu nutzen und auf dessen Befindlichkeiten es einzugehen gilt.  

Blogger sind häufig von Idealismus und intrinsischer Motivation getriebene Onlinejournalisten, für die Schreiben und Publizieren meist kein notwendiger Broterwerb, sondern vielmehr bloßer Zeitvertreib ist. Anders als klassische Journalisten sind sie meist frei in ihrer Themenwahl und können über Themen berichten, die auch ihren Interessen entsprechen.

Aus diesem Grund empfiehlt es sich vor jeder Kontaktaufnahme zu überprüfen, inwiefern die Expertise und Interessenlage eines Bloggers zu der kommunizierten Botschaft passt. Denn ein Blogger, der sich primär mit Modethemen befasst, dürfte beispielsweise kaum daran interessiert sein, einen neuen Bio-Fruchtsaft zu promoten. Die generalisierte, über einen E-Mail-Verteiler versandte Pressemitteilung der klassischen PR ist somit eher kein vielversprechendes Mittel zur Kontaktaufnahme. Stattdessen schätzen es Blogger meist sehr, wenn man ihnen persönlich und auf Augenhöhe begegnet. So loben die Foodblogger von Schlaraffenwelt.de die PR-Strategie des Lebensmittelfabrikanten Kühne für die individuelle Ansprache, den Verzicht auf Forderungen jeglicher Art und die in Form eines kleinen Geschenkes dargebrachte Wertschätzung. Auch wenn dies nach sehr viel Aufwand klingt, so kann sich der Kontakt zu Bloggern aus unterschiedlichsten Gründen durchaus lohnen.

Blogs sprechen in erster Linie zu einer Klientel, die klassische Printmedien und TV-Anstalten schon lange nicht mehr erreichen. Gerade die konsumfreudige Generation der Millenials, also der zwischen 1980 und 1999 Geborenen, nutzt heute andere Kommunikationskanäle. Die US-amerikanische Automobilindustrie hat sich auf diesen Trend eingestellt, indem sie beispielsweise ausgewählten Bloggern ihre neuesten Modelle für Testfahrten zur Verfügung stellt, um mit ihren Produkten auch in den Medien jüngerer Kundengruppen zu erscheinen.

Darüber hinaus stehen Blogger, gerade aufgrund ihrer bereits genannten Unabhängigkeit von wirtschaftlichen Zwängen, für Integrität und Authentizität. Anders als etwa professionelle Journalisten sehen sie sich nicht gezwungen ihren Blog täglich mit neuen Inhalten zu füllen und sind deshalb auch in Dürreperioden nicht auf Inspiration durch Pressemitteilungen oder andere Produktplatzierungsstrategien angewiesen. Trifft jedoch ein hochwertiges Produkt einmal den Geschmack eines Bloggers, so besteht die Chance auf ein besonders glaubwürdiges Feedback.

Wie eine gelungene Integration von Bloggern in die eigene Öffentlichkeitsarbeit aussehen kann, zeigt die „British Heart Foundation“ (BHF) seit einigen Jahren. Als Wohltätigkeitsorganisation, die Spenden für die Erforschung von Herz-Kreislauferkrankungen sammelt, betreibt sie unter anderem einige Vintage-Klamotten-Läden in England, Schottland und Wales. Dabei geht sie Kollaborationen mit prominenten Modeblogger wie Victoria Magrath ein, die ausgewählte Kleidungsstücke zur Verfügung stellen oder gar die Gestaltung von Schaufensterflächen übernehmen. Auf diese Weise schafft es eine etwas angestaubte Institution wie die BHF, mit ihren Flagshipstores eine hippe und modeaffine Klientel zu adressieren.

Mittlerweile haben sich Blogger-Relations als Standardwerkzeug in der Kommunikationsbranche etabliert und sind aus der täglichen PR-Arbeit kaum noch wegzudenken. Deshalb sollten Unternehmen ihre Scheu ablegen, ihre Öffentlichkeitsarbeit erweitern und gute geplante Blogger-Relations-Strategien entwickeln.