„Es gibt drei Möglichkeiten: Inflation, Währungsreform oder Staatsbankrott“: Gespräch mit Michael Grandt, Wirtschafts- und Finanzjournalist, Buch- und Drehbuchautor

Krise ohne Ende: Nach Auffassung von Dr. Michael Grandt steht Europa kurz vor einer folgenschweren Währungsreform. Doch ein Ende mit Schrecken sei besser als ein Schrecken ohne Ende, meint der Buchautor und Finanzexperte. Den Bundesbürgern prognostiziert er magere Jahre und ein Ende des Wohlfahrtsstaates.

Medien-Monitor: Den USA droht eine Rezession, Europa kommt aus der Schuldenfalle nicht mehr heraus. Steht die Weltwirtschaft vor dem Abgrund?

Michael Grandt: Sie steht nicht vor dem Abgrund, aber vor großen Herausforderungen. Im Gegensatz zur letzten Krise haben wir diesmal zwei neue Akteure im Spiel. Es sind die Hoffnungsträger unserer Exportwirtschaft: Indien und China. Indien hat mit einer immensen Inflation zu kämpfen und in China bläht sich eine gigantische Immobilienblase auf. Zudem verfügt China über ein riesiges Schattenbankenwesen. Inflation, Schattenbanken und Immobilienblase: Wir haben ein riesiges Problem auf uns zukommen. Deshalb wird die neue Krise schlimmer als die letzte sein.

Der Buchautor Michael Grandt auf dem Hilton Talk.

Sieht die Europäische Union vor einer harten Bewährungsprobe: der Journalist und Buchautor Michael Grandt.

 

 

 

 

 

 

Medien-Monitor: Was hätten die Politiker auf beiden Seiten des Atlantiks in der jüngsten Krise besser machen können?

Michael Grandt: Ich komme aus dem Schwabenland. Da heißt es: Man kann Schulden nicht mit Schulden tilgen. Man kann Schulden auch nicht tilgen, indem man immer mehr Geld druckt. Die rigorosen Sparprogramme, die man jetzt für die bankrotten Staaten aufstellt, sind ein riesiger Fehler. Stellen Sie sich vor, Sie haben 100 Euro in der Tasche. Der Staat nimmt Ihnen durch Steuererhöhungen oder Lohnkürzungen 30 Euro davon weg. Sie haben also nur noch 70 Euro zur Verfügung. Dennoch wird von Ihnen verlangt, dass Sie mit diesen 70 Euro mehr konsumieren als vorher. Das kann nicht funktionieren.

Medien-Monitor: Der deutsche Wirtschaftsprofessor Stefan Homburg sagte in einem Interview der Süddeutschen Zeitung, dass der wahre und einzige Zweck der immer neuen Rettungsschirme die Rettung der Banken sei. Die Banken benötigten diese Rettungsschirme, um ihr Geschäftsmodell aufrechtzuerhalten. Wie sehen Sie das?

Michael Grandt: Das stimmt zum Teil. Aber es gibt wiederum zwei Spieler in diesem Spiel: Den Staat und die Banken. Die amerikanischen Banken haben 2007/2008 durch ein cleveres Finanzmodell Hunderttausende Kredite vergeben. Sie wussten, dass diese Kredite zum Teil nicht getilgt werden können. Sie haben die Kredite dann verbrieft, in Pakete verpackt und weltweit weiter verkauft. Die erste Finanzkrise war ausgebrochen. In der Folge mussten die Staaten die Banken retten. Doch was wir nicht vergessen dürfen: Die Staaten waren bereits vor dieser Finanzkrise enorm verschuldet. Deshalb sind Staaten und Banken schuld an der Krise. Und jeder hier im Raum trägt ebenfalls eine Mitschuld. Denn wenn Sie 100 Euro zur Bank bringen und  Ihr Bankberater fragt: Wollen Sie ein oder fünf Prozent Rendite? Was antworten Sie dann? Solange wir alle nur immer mehr Rendite wollen, wird dieses Finanzsystem weiterhin so funktionieren, wie es gegenwärtig der Fall ist.

Medien-Monitor: Kommen wir zu Ihrem Buch „Europa vor dem Crash“, das Sie zusammen mit Gerhard Spannbauer und Udo Ulfkotte geschrieben haben. Dieses befindet sich seit Monaten auf der Bestsellerliste der Wirtschaftsbücher. Der Untertitel lautet: „Was Sie jetzt wissen müssen, um sich und Ihre Familie zu schützen.“ Warum steht Europa vor dem Crash? Und was müssen wir wissen?

Michael Grandt: Ich denke, man muss den Leuten klipp und klar sagen, dass unsere Sozialsysteme vor dem Kollaps stehen. Jeder, der hier sitzt, muss einen Menschen über staatliche Transfers miternähren. Diesen Menschen sehen Sie nicht. Aber er sitzt neben Ihnen. Beim Frühstück, beim Mittagessen, beim Abendessen. Und wenn Sie keinen Hunger haben, er hat Hunger. 40 Millionen Menschen sind erwerbstätig und ca. 36 Millionen Menschen in unserem Lande erhalten staatliche Gelder. Da sind Rentner und Beamte mit inbegriffen. Beamte arbeiten zwar, aber sie werden trotzdem von unserem Steuergeld bezahlt. Zudem gibt es acht Millionen Hartz-IV-Empfänger und Arbeitslose. Darüber hinaus wird unser Geld entwertet. Die kumulierte Inflation in Deutschland beträgt seit 1990 47 Prozent. Sogar offizielle Verlautbarungen von Eurostat besagen, dass der Euro seit seiner Einführung 25 Prozent an Kaufkraft verloren hat. Gegenüber Gold hat er sogar um 430 Prozent abgewertet. Was auf uns zukommen kann, sehen wir an unseren EU-Partnerländern. In Ungarn und Irland zum Beispiel wurde die private Altersvorsorge zwangsverstaatlicht. Die Gelder wurden in das staatliche Rentensystem überführt. So etwas kann uns auch drohen. Der Staat wird kreativ, wenn er an das Geld der Bürger will. Es wird auf jeden Fall höhere Steuern, weniger Sozialleistungen, Lohn- und Rentenkürzungen geben. Meine Prognose: Die Währungsreform wird kommen. Den Zeitpunkt kann man natürlich nicht genau vorhersagen. Ich gehe aber davon aus, dass es in den nächsten fünf bis zehn Jahren passieren wird.

Medien-Monitor: Bundeskanzlerin Angela Merkel widerspricht den Argumenten der Euro-Skeptiker diametral und sagt, dass es nur ohne Euro zum Crash kommen würde. Sie sagt: Scheitert der Euro, scheitert Europa. Weshalb halten die Staatschefs am Euro fest?

Michael Grandt: Diese Frage würde ich gerne den Staatschefs stellen. Ich denke, niemand möchte zugeben, dass er sich geirrt hat. Darüber hinaus spielt auch die Wiederwahl eine Rolle. Ich habe bisher noch keine Regierung erlebt, die sich vor das Volk gestellt und gesagt hat: „Das, was wir in den vergangenen zehn Jahren gemacht haben, war total falsch. Wir müssen einen anderen Weg gehen.“ Das macht die FDP vielleicht hin und wieder, aber Sie sehen ja, was es bringt. Niemand wird zugeben, dass man sich geirrt hat. Zu viele Gelder, auch Steuergelder, sind geflossen, zu viel wurde versprochen.

Medien-Monitor: Offensichtlich hat der Euro uns Deutschen nach der Wirtschaftskrise aber sehr geholfen, wieder auf die Beine zu kommen. Unternehmen müssen sich dank der Gemeinschaftswährung nicht mehr über Wechselkursrisiken Gedanken machen. Sie können Waren und Dienstleistungen risikolos exportieren. Bis zur Mitte des Jahres brummte die Konjunktur. Auch die Zahl der Erwerbstätigen stieg im zweiten Quartal dieses Jahres auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die Preisstabilität war in den vergangenen 20 Jahren einzigartig. Was ist eigentlich so schlecht am Euro?

Michael Grandt: Ihre Argumentation erinnert mich an die eines Regierungssprechers. Deshalb muss ich ein bisschen weiter einholen. Wenn Sie noch an das Märchen des Wirtschaftswachstums glauben, sind Sie selber Schuld. Nur um keine neuen Schulden machen zu müssen, brauchen wir ein jährliches Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent. Um die EU-Stabilitätskriterien, sprich eine Staatsschuldenquote von 60 Prozent zu erreichen, müsste unser Wirtschaftswachstum sogar bei 4,2 Prozent liegen. Aber wir sind nicht China, seit 2000 hatten wir ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 0,86 Prozent. Das Märchen vom Wirtschaftswachstum funktioniert bei mir also nicht. Ebenso wenig wie das Märchen von den sinkenden Arbeitslosenzahlen. 1,3 Millionen Menschen werden offiziell nicht mehr als arbeitslos geführt, weil sie Weiterbildungsmaßnahmen in Anspruch nehmen oder Existenzgründungsgeld bekommen. Aber de facto sind sie arbeitslos. Um wieder auf die Frage zurück zu kommen: Die Währungen in Nicht-Euro-Ländern sind stabiler. In Schweden, Norwegen oder in der Schweiz sind wirtschaftliche Parameter wie Verschuldung, Wirtschaftswachstum oder Börsenentwicklung positiver als bei uns. Was viele Leute nicht wissen: Die deutsche Bundesbank hat 390 Milliarden Euro an marode Euro-Länder zu einem negativen Realzins ausgeliehen. Negativer Realzins bedeutet: Die Zins- ist niedriger als die Inflationsquote. Knapp eine Billion Euro flossen von Deutschland zur Begleichung der Leistungsbilanzdefizite anderer europäischer Länder. Dieses Geld fehlt uns im Binnenkonsum für Schulen oder Kindertagesstätten. Zudem sind unsere Lohnstückkosten stabil geblieben. Das heißt im Klartext: Unsere Preislohnsteigerungen sind nicht so hoch wie in anderen Ländern. Wir haben also auf Konsum verzichtet. Und die Behauptung, dass wir ohne Euro nichts mehr exportieren könnten, ist ebenfalls ein Märchen.

Medien-Monitor: Sie haben Gründe gegen den Euro genannt. Was würde mit der D-Mark denn besser werden?

Michael Grandt: Die D-Mark würde aufwerten, das ist unbestritten. Wenn wir eine stärkere Währung hätten, würde dies aber auch bedeuten, dass wir Importgüter billiger kaufen könnten. Am Ende könnten wir dadurch die Verkaufspreise senken. Der zweite Punkt: Deutschland ist der beste Beweis dafür, dass wir mit einer starken D-Mark trotzdem Exportweltmeister waren. Jetzt sind wir es nicht mehr. Wir waren immer ein Aufwertungsland. Letztendlich exportieren wir ja nicht Tomaten, sondern Know-how und technische Innovationen, die man auf der ganzen Welt braucht. Wir sind nicht Griechenland. Wir exportieren Produkte, die auch ein bisschen teuerer sein können und trotzdem gekauft werden. Es ist Schwarzmalerei, wenn man behauptet, dass alles zusammenbricht und die Exportwirtschaft nicht mehr funktionieren wird, wenn der Euro wegfällt.

Medien-Monitor: Aber auch aus politischer Perspektive erscheint die Rückkehr zu nationalen Währungen problematisch. Wenn in Griechenland die Drachme wieder eingeführt würde, könnte das Land seine Schulden wegen der Währungsabwertung erst recht nicht tilgen. Anderen Krisenstaaten ginge es wahrscheinlich ähnlich. Konflikte zwischen den Staaten könnten wieder aufkeimen. Würde ein Euro-Crash die europäische Integration nicht um Jahrzehnte zurückwerfen?

Michael Grandt: Wenn Griechenland die Drachme wieder einführt, könnte es seine Innlandsschulden durchaus tilgen. Die Auslandsschulden würden in Euro weiter bestehen. Man müsste einen Zahlungsaufschub gewähren. Doch den gibt es sowieso, der Schuldenschnitt ist ja da. Die bisherige Entwicklung hat gezeigt, dass die EU nicht zusammenwachsen wird, wenn es so weitergeht wie bisher. Genau das Gegenteil ist der Fall. So wie die Politik jetzt agiert, wird es ein Auseinanderdriften der Länder geben. Nationale Parteien werden bereits stärker.

Medien-Monitor: Ließe man auch nur einen Krisenstaat tatsächlich Bankrott gehen, wären die Folgen womöglich fataler als 2008. Damals ging mit Lehman lediglich eine Bank pleite. Nun wäre ein ganzes Land betroffen. Experten befürchten im Falle eines Staatsbankrotts zudem einen Domino-Effekt, der auf andere Länder übergreifen könnte. Würden Sie als politisch Verantwortlicher tatsächlich einen Bankrott Griechenlands und anderer Krisenländer riskieren?

Michael Grandt: Wir müssen uns die Alternative vergegenwärtigen: Schulden mit Schulden bekämpfen, so dass die Schulden immer größer werden. Irgendwann wird es den Big Bang geben. Ich würde Griechenland bankrott gehen lassen, weil dies ehrlicher ist. Derzeit müssen die Banken viel Geld abschreiben, der Staat wiederum muss die Banken stützen und am Ende wird der Steuerzahler zur Kasse gebeten. Dieser Domino-Effekt führt zum Europa-Crash. Es ist viel ehrlicher, den Menschen zu sagen, dass sie 50 Prozent ihres Vermögens verlieren werden. Nach diesem Schnitt können wir dann in die Zukunft schauen. Bisher versenken wir Milliarden in dahinsiechende Länder und entwerten das Vermögen der Menschen schleichend. Das ist perfide und nicht redlich. Ich habe eine neunjährige Tochter. Wie soll ich ihr später erklären, dass sie für etwas verantwortlich gemacht wird, was wir nicht lösen konnten. Ich denke, wir müssen verantwortungsbewusst und ehrlich genug sein und sagen: Wir werden Vermögen verlieren. Lieber auf einmal, als schleichend.

Medien-Monitor: Und wie würden Sie mit den Schulden-Staaten umgehen?

Michael Grandt: Schulden-Staaten sind wir alle. Deutschland hat eine Verschuldung von sieben Billionen Euro, die impliziten Schulden eingerechnet. Die bankrotten Staaten würde ich aus der Währungsunion ausschließen. Durch die Wiedereinführung einer nationalen Währung könnten sie ihre Inlandsschulden abwerten, die Rückzahlung der Auslandsschulen könnte mit einem Moratorium aufgeschoben werden. Gleichzeitig sollte man Konjunkturprogramme auflegen.

Medien-Monitor: Was für Konjunkturprogramme?

Michael Grandt: Zum Beispiel Steuersenkungen. So hätten die Firmen Anreize, neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Medien-Monitor: Ist die Rekapitalisierung der Banken über die EFSF weiteres Geldverbrennen?

Michael Grandt: Der Hebel, der nun kommen wird, ist für mich ein Spekulationsgeschäft. Mit dem Instrument, das die Krise ausgelöst hat, soll sie jetzt gelöst werden. Es ist heuchlerisch zu sagen, dass Hedgefonds und Private-Equity-Fonds Heuschrecken seien, die durch Leveraging viel Geld verdienen, wenn die Politik das im großen Rahmen genauso macht. Die Schulden werden immer größer und in die Zukunft verschoben. Ich finde dies absolut unverantwortlich. Ja, für mich ist es Geldverschwendung.

Medien-Monitor: Sie sprechen in Ihrem Buch von Deutschland als Zahlmeister in der Euro-Zone. Verkennen Sie nicht die Tatsache, dass die Geberländer lediglich Kredite gewähren, die ja fortlaufend zurückgezahlt werden.

Michael Grandt: Schön, wenn es so wäre. Wir müssen doch die Realität sehen. Alleine für die EZB zahlt Deutschland ein Fünftel. Man begründet das mit dem größeren Bruttoinlandsprodukt und der größeren Bevölkerungszahl. Ich sehe das anders: Wer mehr leistet, wird bestraft. Das finde ich nicht in Ordnung. Zudem hat die EU beim IWF eine Quote von 31 Prozent. Auch hier zahlt Deutschland ein Fünftel. Eine Billion Euro fließen aus Deutschland zur Begleichung von Leistungsbilanzdefiziten anderer Länder ab. Man muss ganz eindeutig sagen: Ohne unsere Leistungsbilanzüberschüsse, ohne unsere Exportüberschüsse würde es keinen Euro geben. Unser Fleiß, unsere Leistung sind Garant dafür, dass es den Euro gibt. Der britische Europainvestment-Chef von Allianz Global Investors hat einmal gesagt: „Europa ist ein einfaches Spiel. 27 Nationen sind dabei, am Ende zahlen immer die Deutschen.“ Warum ich den Euro ablehne: Wir sind die größte Volkswirtschaft in Europa. Wir sind das größte Geberland in Europa. Für uns wird es niemals einen Rettungsschirm geben. Wir werden immer ein Geberland bleiben.

Medien-Monitor: Ihrer Auffassung nach ist Deutschland mit sieben Billionen Euro in den Miesen. Können Sie kurz erklären, wie Sie auf diese Zahl kommen?

Michael Grandt: Diese Zahl habe ich von einem Gutachten des Sachverständigenrates, der die implizierte Staatsverschuldung auf 270 Prozent des Bruttoinlandsproduktes schätzt. Mit 80 Prozent expliziter Staatsverschuldung sind wir bei 350 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Das entspricht sieben Billionen Euro. Das ist die versteckte Staatsverschuldung. Darin mit einberechnet sind die zukünftigen Zahlungsversprechungen des Staates, also Renten, Pensionen und Zahlungen für die Sozialsysteme.

Medien-Monitor: Wie lässt sich dieser ungeheure Schuldenberg eigentlich abtragen?

Michael Grandt: Diese Schulden sind mit normalen Mitteln nicht mehr zu tilgen. Es gibt nur drei Möglichkeiten: Inflation, Währungsreform oder Staatsbankrott. Wir hatten in den letzten 60 Jahren übrigens drei Währungsreformen. Die Inflation spüren wir ja bereits. Sie wird größer werden. Ich denke zudem, dass eine Währungsreform kommen wird. Wir werden zu einer nationalen Währung zurückkehren. Ich denke auch, dass die Volksparteien, die eigentlich gar keine Volksparteien mehr sind, von Parteien, die Europa sehr kritisch sehen, abgelöst werden. Wenn Hans-Olaf Henkel oder Professor Hankel eine Partei gründen würden, könnte diese 30 Prozent erreichen. Denn die eurokritischen Stimmen werden immer lauter. Der Wohlstand wird sinken, unser Wohlfahrtsstaat wird Geschichte sein.

Medien-Monitor: Das wird Ludwig Erhard nicht freuen. Was war denn der entscheidende Fehler bei der Euro-Einführung.

Michael Grandt: Der entscheidende Fehler war, dass man so viele unterschiedliche Staaten in ein Währungskorsett gepresst hat. Man hätte von Anfang an ehrlich sagen müssen: Wenn der Euro kommt, wird die nationale Souveränität aufgegeben werden und wir werden eine zentralistische Euro-Regierung bekommen. Die werden auch in unser Haushalts- und Hoheitsrecht eingreifen, was mir persönlich nicht gefällt. Ungefähr 50 Prozent der deutschen Bevölkerung glauben schon jetzt nicht mehr an die EU.

Medien-Monitor:  Mögen Sie noch eine Prognose abgeben: In welcher Situation befindet sich Deutschland in zehn Jahren, wenn wir am Euro festhalten?

Michael Grandt: Ich denke, der Euro wurde politisch gewollt. Daran wird er auch scheitern. Ich bin fest davon überzeugt, dass in den nächsten zehn Jahren andere Parteien gewählt werden, die den Euro nicht mehr beschönigen. Ich denke, dann wird der Euro politisch zu Ende sein. Ich meine damit die Idee des Euros, nicht Europa.

MEDIEN-MONITOR: Herr Grandt, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Michael Märzheuser beim Hilton Talk am 20. Oktober 2011 in München.

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